• Zusammen mit SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit schaute sich der Senator mehrere Lehranstalten an

Berlin : Zusammen mit SPD-Fraktionschef Klaus Wowereit schaute sich der Senator mehrere Lehranstalten an

Annette Kögel

Ein Mülleimer-Einsatzbeutel der VEB Vereinigte Zellstoffpapierfabrik: Das ist das erste Geschenk, das Klaus Böger (SPD) in seiner Laufbahn als Senator bei einem offiziellen Schulbesuch bekam. Doch die Gabe war weder hintersinnig noch bösartig gemeint - Schüler hatten die Papptasche mit Informationen zur Kurt-Schwitters-Schule sogar künstlerisch bemalt. Am gestrigen Montag stattete Böger der Gesamtschule an der Bötzowstraße 11 sowie der Integrations-Schule am Senefelder Platz einen Besuch ab, um das Schul- und Sportstätten-Sanierungsprogramm vorzustellen - nicht ohne den ebenfalls frisch amtierenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Wowereit an seiner Seite. Offensichtlich wollten die beiden Genossen Einigkeit demonstrieren, nachdem sie kurz nach der Amtsübernahme in Sachen Religion als Wahlpflichtfach unterschiedliche Überzeugungen vertraten.

Bevor Senator und Fraktionsvorsitzender in medias res gingen, bat Schulleiterin Katrin Kundel zum Schulrundgang. Böger ließ Wowereit den Vortritt: "Er ist doch mein Vorgesetzter, als Chef der Fraktion", so der Senator. "Und das hier zählt noch als Schulturnhalle?", zeigte sich Böger von der Dimension der neuen Turnhalle enttäuscht. Dafür gebe es aber gleich zwei Hallen, die von morgens um acht bis abends 22 Uhr auch von Vereinen genutzt werden. Für eine dritte, große Halle fehle das Geld, sagte die Schulleiterin. Weiter geht es, durch Flure mit Graffiti auf ostiger Blümchentapete. "Wir wollten zuerst in den Unterrichtsräumen sanieren", erklärte Schulamtsleiter Roger Gapp. Seit 1990 wurden in die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses 8,8 Millionen Mark - Mittel der EU und vom Bezirk - gesteckt. Dementsprechend modern wirken auch TNU-Raum, Hauswirtschaftsküche, Arbeitslehre-Werkstatt. "Das ist ja piekobello hier", zeigte sich der Senator beeindruckt. Im Kunstraum mit Atelier-Charme, in dem Schüler gerade mit Kohle zeichnen, verstecken allerlei Ausstellungsstücke die einst DDR-typische Baufälligkeit.

"Eigentlich sind wir hier in der falschen Schule", bilanziert Böger später. Doch es ging ja darum, zu zeigen, "wie man die Sache Schritt für Schritt in den Griff bekommen kann." Inzwischen hat die Verwaltung die Bedürfnisse aller Berliner Schulen abgefragt: Auf 860 Millionen beläuft sich ihr Sanierungsbedarf - doch im Haushalt werden wohl nur 500 Millionen Mark für die fünf Jahre laufende Legislaturperiode bereitstehen. Allein 250 Millionen werden Roger Gapp zufolge schon in Prenzlauer Berg gebraucht. "Das Sonderprogramm darf die normale bauliche Unterhaltung der Bezirke aber nicht ersetzen", mahnt Böger und kündigt an, die Liste nochmal genauer zu überprüfen. "Ich kenne ja die Technik: Möglichst viel angeben, um dann wenigstens ein bisschen zu bekommen." Künftig seien "soziale Brennpunkte zuerst an der Reihe", kündigt Klaus Wowereit an. So ein Fall wie in Zehlendorf, als eine Schule "Dachstuhlsanierung" angemeldet hatte "und dann tatsächlich etwas mit Kupfer veredelte - das läuft so nicht mehr", stellte der neue Senator klar. Bei der Auftragsvergabe sollten die Bezirke mittlere Berliner Handwerksbetriebe vorziehen, forderte Böger.

Der Senator in der Schule - klar, dass es da nicht nur um den baulichen Zustand ging. Auf den Unterrichtsausfall angesprochen, sagte Böger, das Schulreformgesetz werde Ende nächsten Jahres verabschiedet und dann den Honorarmittel-Einsatz für jede Schule ermöglichen. Lehrerarbeitszeit? "Ein brisantes Thema, so kurz vor den Weihnachtsfeiertagen." Da hält er sich bedeckt. Nur so viel: Es könne Feldversuche zur dauernden Präsenzzeit geben, bestimmt "nicht zur großen Freude der Lehrer". Und Religion als Wahlpflichtfach? Zwei Männer, zwei Worte. Böger: "Da gibt es am 17. Januar eine erste Diskussionsrunde." Wowereit: "Fraktion und Partei sind weiter dagegen."

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