Berlin : Zwanziger aus dem Farbdrucker

Werner Schmidt

Immer häufiger finden Geschäftsleute Falschgeld in ihrer Kasse. Am Wochenende wurde ein 19-Jähriger festgenommen, der in Mitte an einem Imbiss mit einem nachgemachten 20-Mark-Schein zwei Getränke bezahlen wollte. Dem Wirt fiel aber die auf einem Farbdrucker nachgemachte Blüte auf. Gemeinsam mit einem Gast hielt der Imbiss-Wirt den 19-Jährigen fest. Die Polizei nahm den wegen Schwarzfahrens und Handels mit unversteuerten Zigaretten bekannten Jugendlichen dann fest. In seinen Taschen fanden die Beamten weitere neun auf einem PC gefälschte 20-Mark-Noten.

"Jeder, der mit Geld umgeht, sollte seinen Banknoten so viel Aufmerksamkeit widmen wie einer Packung Eier, bevor er sie in den Einkaufswagen legt", sagt Uta Kadow. Sie leitet im Landeskriminalamt (LKA) Berlin das Falschgeldkommissariat. Zwei Monate vor der Einführung des Euro tauchen immer häufiger "Blüten" auf. Es handelt sich um "kleinere Beträge", sagt Ute Kadow. Falschgeldexperten hatten zunächst mit einer Schwemme falscher DM-Noten gerechnet und erwartet, dass mit dem Ende der Deutschen Mark Fälscher ihre möglicherweise vorhandenen Depots leeren. Das scheint aber zumindest für Berlin eine Fehleinschätzung gewesen zu sein.

Es sind vielmehr kleine Scheine im Nennwert von 10 oder 20 Mark, die zumeist als Farbkopien mit einem PC hergestellt werden. Den kleinen Noten wird erfahrungsgemäß in den Geschäften weniger Aufmerksamkeit geschenkt als großen. Es gibt aber auch professionell gefertigte 100-Mark-Scheine, die den Kriminalisten zufolge häufig mit relativ großem Aufwand hergestellt werden und vor allem aus Osteuropa stammen dürften.

Die Fälscher versehen diese Scheine im Nennwert von 100 Mark sogar mit einem nachgemachten Hologramm. Sie machen dieses Echtheitsmerkmals, das auf der Vorderseite des Scheins oberhalb der 100 und links neben der Lyra als silbernes Ornament auftaucht, mit Silberfolie nach. Diese Scheine weisen dafür keine fluoreszierenden Fasern auf, die unter einer UV-Lampe aufleuchten. Gerade Geschäftsleute sollten alle Sicherheitsvorkehrungen treffen, um Falschgeld rechtzeitig zu erkennen. Wurden die "Blüten" erst einmal angenommen, haben sie allein den Schaden. Das Falschgeld wird ersatzlos eingezogen.

Fälschungen der neuen Währung sind nach Erkenntnissen der Polizei bisher nicht aufgetaucht, dafür aber echte Scheine. In einem Fall wurde eine verlorene Geldbörse auf einem Polizeiabschnitt abgegeben, in der auch ein Euro-Schein steckte, obwohl die noch nicht in Umlauf gebracht werden dürfen. Der Eigentümer des Portemonnaies meldete sich und sagte, er habe den Schein als Trinkgeld erhalten.

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