Berlin : Zweiter Anlauf fürs Wohnen in der Ex-Kaserne Spreepark: Insolvenz wird geprüft

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Karlshorst. Schlechte Nachrichten für die Karlshorster: Es wird keine schnelle Lösung geben im Gerangel um die Zukunft des ehemaligen Militärgeländes an der Zwieseler Straße. Das sagte die neue Lichtenberger Baustadträtin Karin Lompscher (PDS) auf einer Bürgerversammlung: „Wir starten jetzt zwar einen neuen Anlauf für die Entwicklung des Areals, aber von heute auf morgen wird sich nichts ändern.“

Das bedeutet für die Anwohner, dass sie vorerst weiter mit den leeren Kasernen auf dem 32 Hektar großen Areal leben müssen, die so gar nicht in die Gegend mit ihren neuen Einfamilienhäuser und sanierten Altbauten und alten Villen passen wollen. Riesige Panzerhallen und eine alte Tankstelle wirken gespenstisch. Fenster sind vernagelt oder eingeschlagen, Graffiti an den Wänden. Ein Schild warnt vor dem Betreten der militärischen Hinterlassenschaft.

Seit acht Jahren hoffen die Karlshorster darauf, dass das Gelände anders verwendet wird. Doch die einstigen Pläne des Bezirks sind in den Schubladen verschwunden. Die sahen vor, im grünen Karlshorst ein attraktives Wohngebiet für Bundesbedienstete aus Bonn zu errichten. Im Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbs sollten 1100 Reihen- und Doppelhäuser sowie einige Geschossbauten entstehen. Doch das Interesse der Rheinländer am Berliner Wohnort hielt sich in Grenzen, von den prognostizierten 25000 Umzüglern hat lediglich ein Drittel die Spree erreicht. Der Oberfinanzdirektion als Eigentümerin des Geländes ist es nicht gelungen, einen Investor für die Immobilie zu finden. Laut Karin Lompscher will der Bezirk diese Konzepte nun erneut mit Oberfinanzdirektion und Senat überarbeiten – „und zwar verkleinern, und sie dann in mehreren Schritten verwirklichen“, wie Karin Lompscher sagt. Bis zum Sommer soll der neue Entwurf vorliegen. Sie geht davon aus, dass an der Zwieseler Straße künftig ausschließlich privat finanzierte Einfamilienhäuser entstehen. Im Norden der ehemaligen Militärfläche könnte das erste Baufeld sein.

Die Oberfinanzdirektion stellt allerdings klar, das erst dann mit dem Verkauf des Grundstücks begonnen werden kann, wenn der Bezirk Baurecht geschaffen hat, sagt Pressesprecher Helmut John. Er geht davon aus, dass die Käufer dann die maroden Gebäude beseitigen: „Für eine flächendeckende Beräumung fehlt einfach das Geld“, sagt John.

Den Anwohnern bleibt der „Schandfleck“ vor ihrer Tür also ungeachtet ihrer jahrelangen Proteste zunächst erhalten. Karlshorsterin Sabine Harik versteht das nicht: „Es muss wenigstens möglich sein, das Gebiet zu beräumen“, fordert sie. „Es sei inzwischen peinlich, Besuch zu empfangen.“ Steffi BeyWie berichtet, hatte sich Familie Witte, die den Spreepark bislang betrieb, im Januar nach Peru abgesetzt. Sie hinterließ einen Schuldenberg von rund 10 Millionen Euro bei der Bank und rund 700 000 Euro beim Liegenschaftsfonds. bey

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