Berlin : Zwischen HdK und Ostkreuz: Schau des Goethe-Instituts eröffnet

Rolf Brockschmidt

"Wir kommen mit diesem Berlin-Programm nicht, weil die Regierung nach Berlin gezogen ist. Mehr Beamte machen eine Stadt meist nicht lebendiger und vergrößern selten die Kreativität", sagte Maarten Brands bei der Eröffnung des Programms "Berlijn 2000" im Rathaus von Amsterdam. Bis Juli steht "Das Neue Berlin" im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen, die das Goethe-Institut Amsterdam und das Duitsland Instituut der Universität von Amsterdam gemeinsam organisiert haben. Brands, wissenschaftlicher Direktor des DIA, sagte, dass sein Institut schon lange eine derartige Veranstaltungsreihe geplant habe. Ursprünglich sei sie in Zusammenarbeit mit dem Unterrichtsministerium geplant gewesen, da habe es aber bürokratische Hemmnisse gegeben. Nun habe man die Reihe mit dem Goethe-Institut Amsterdam geplant.

"Die Deutschen sprechen immer viel von Kontinuität, wir müssen nun genau hinschauen, was da geschieht im Übergang zur Berliner Republik. Die Trennungslinien des Kontinents sind längst zu Landschaften geworden", sagt Brands, "und deswegen hat das, was nun geschieht, wenig mit dem Umzug zu tun. Berlin ist für uns auch wichtig in Bezug auf die Ost-Erweiterung der EU." Dass das touristische Interesse der Holländer an Berlin gewachsen ist, sei spürbar. Die KLM-Flüge nach Tegel seien meistens ausgebucht. Doch habe man in Bezug auf lästige Vorurteile aus den Zeiten der Clingendael-Untersuchungen, die starke Vorbehalte bei holländischen Jugendlichen ans Licht brachten, noch keinen Wandel im Deutschland-Bild feststellen können. Da soll das Programm helfen.

Den Auftakt bildet die dreitägige Konferenz "Bauten und Überbauten - Architektur und Denkmale für Berlin". Hier wird untersucht, wie Berlin mit seiner Geschichte umgeht, wie es zu den Denkmälern der Vergangenheit und der Gegenwart steht und wie es seine Architektur gestaltet.

Neue Töne wird es extra für diese Konferenz von der Hochschule für Musik Hanns Eisler und der Hochschule der Künste geben. Die Werke von Sebastian Stier und Antonis Anissegos werden von Studenten des Konservatoriums von Amsterdam aufgeführt. Neue Filme junger Autoren führt das Goethe-Institut vom 19. April bis zum 7. Juni vor, darunter auch zahlreiche Absolventen der Deutschen Film- und Fernsehakademie. Am 14. April berichtet Henning Rischbieter, Gründer von "Theater heute" im Goethe-Institut über die aktuelle Berliner Theaterszene um Thomas Ostermeier und Sasha Waltz. Interessant dürfte sein, wie am 21. Mai das holländische Publikum auf die neue Autorengeneration aus Berlin reagiert. Von 12 Uhr bis 18 Uhr werden Tanja Dückers, Kerstin Hensel, Julia Franck, Tim Staffel, Arne Ross, Jochen Schmidt, Inka Parei und Jan Wagner lesen und diskutieren.

Als Chronisten der Veränderungen der vergangenen zehn Jahre zeigen die Fotografen von Ostkreuz vom 10. April bis zum 12. Mai im Goethe-Institut ihre "Augenblicke". Ob Berlin wieder eines der großen europäischen Kunstzentren wird, diskutiert Isabelle Graw von "Texte zur Kunst" am 11. April im Goethe-Institut. Neues Berliner Design und ungewöhnliche Vermarktungswege zeigen die beiden Designer Oliver Vogt und Hermann Weizenegger, die mit der Berliner Blindenanstalt zusammenarbeiten.

"Die Berliner Republik" wird in Amsterdam aufmerksam verfolgt, und der Kongress am 17. April im Außenministerium Den Haag mit Maarten Brands, Manfred Görtemaker, Klaus Hartung und Heinz Bude wird dazu beitragen. Heinz Bude vom Hamburger Institut für Sozialforschung wird am 17. April als Vertreter der "Generation Berlin" über dieses Phänomen berichten. Wie gehen beide Städte mit ihren Einwanderern um? Diese Fragen diskutieren am 25. Mai die Ausländerbeauftragte Barbara John und ihr Kollege Jaap van der Aa.

Beendet wird die Reihe mit einer öffentlichen Debatte zwischen Vera Lengsfeld, Annette Simon und Thomas Roethe. Titel: "Zwischen blühenden Landschaften und Ostalgie". Gerade in Holland beobachtet man genau, wie der Westen mit dem Osten umgeht. "Das Interesse an dieser Veranstaltungsreihe ist bereits sehr groß", sagt Brands. Das Programm verweise auf eine andere Zukunft, als man sie die letzten 50 Jahre gewohnt gewesen sei.

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