Berlin : Zwölf-Punkte-Plan

Die Proben für den Grand-Prix-Vorentscheid in der Arena sind Millimeterarbeit

Sven Schade

„Germany: 12 points!“ flimmert schon mal auf den Bildschirmen über der Bühne, schön hoch gehängt. Die Höchstwertung für Deutschland beim Grand Prix in Istanbul – schön wär’s. Ist aber noch lange hin bis zum großen Tag, dem 15. Mai 2004. Erst kommt die deutsche Vorentscheidung am Freitagabend. Und dafür wurde schon am Dienstag fleißig geprobt, in der Arena in Treptow.

Assistenten mit Kopfhörer und Mikrofon am Kinn checken, was es so zu checken gibt: Sound, Bild. Die Krankamera schwenkt über die noch leeren Sitzreihen. Graue Plastikstühle. An manchen Rückenlehnen kleben DIN-A-4-Zettel: „Fanblock Patrick Nuo“ steht da zum Beispiel. Seine Anhänger werden vorne links in den ansteigenden Reihen sitzen. Der „Fanblock Sabrina Setlur“ liegt erstaunlich weit weg von der Bühne, auf der gegenüberliegenden Seite. Ungünstig, gleich neben der Technik, sind die Freunde von Tina Frank postiert. Mischpult und jede Menge Computer im Nacken.

„Im vorderen Bühnenbereich bitte jetzt alle hinsetzen“, spricht eine Stimme aus dem Off. Gleich geht’s los mit der Probe von Mia, die hat dann später die Startnummer 11. Neben der Bühne, die mit schwarzen Marmorplatten belegt ist, erhebt sich auch eine Show-Rampe, an deren Ende weitere Zettel kleben: „Nicht betreten. Achtung Plasma-Bildschirme!“ Auch in den Boden der Rampe sind nämlich Monitore eingelassen, die ebenfalls den 12-Punkte-Plan in Erinnerung rufen.

„Mia, kannst du das Mikro ’n bisschen drehen, damit wir deinen Mund besser haben?“, fragt die Regie. „Also, die Band heißt Mia, die Dame heißt Mieze“, antwortet die Berlinerin Mieze. Die Gruppe Mia wird am Freitag den Song „Hungriges Herz“ präsentieren. Und dafür will Mieze ihren Mikrofonständer gerne wunschgemäß drehen. Sie trägt einen weißen Mini und ein kurzes rosafarbenes Tüll-Kleidchen mit riesigem V-Ausschnitt. Die Dame macht auf Mädchen. Passt auch besser zu ihren vier Jungs. Die geben schon bei der Playback-Probe volle Action. Wippen mit den Hüften, wackeln mit dem Kopf. Body-Check fürs Fernsehen.

So setzen und stellen sich die Künstlerinnen und Künstler nun zwei lange Tage bei den Proben in Treptow ins rechte Licht. Tina Frank, die laut Selbstbeschreibung bislang „im Schatten von Oli P.“ stand. Oder der Soul-Pop-Sänger Laith Al-Deen, der „mit dem Mainstream kein Problem“ hat. Oder das Techno-Trio Scooter, „Kult und Ausnahmeband zugleich“. Probe für den Vorentscheid heißt auch, sich aufs Grand-Prix-Format vorzubereiten. Deshalb bleibt Mieze wie abgesprochen schön bei der Band stehen. Erst, wenn sie singt „Wie weit, wie weit, wie weit wirst du gehen?“, marschiert sie los. Natürlich Richtung Fanblock. Aber vorne bei den Plasma-Bildschirmen bleibt sie wieder stehen. Darf man schließlich nicht betreten.

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