zum Hauptinhalt
Polizeibeamte nehmen in Hongkong am Vorabend des 34. Jahrestages des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking eine Person fest.

© dpa/Loiuse Delmotte

Jahrestag des Tiananmen-Massakers: Mehrere Festnahmen in Hongkong wegen Gedenkens an Massaker von 1989 in China

1989 ließ Peking Proteste niederschlagen, Hunderte starben auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Am 34. Jahrestag wurden nun wieder Aktivisten festgenommen.

In der Nacht zum 4. Juni 1989 war die chinesische Armee auf dem Pekinger Tiananmen-Platz mit Panzern gegen Studierende vorgegangen. Zum 34. Jahrestag der Niederschlagung der Demokratiebewegung in China an diesem Sonntag hat die Polizei in Hongkong mehrere Aktivisten festgenommen, die an das dunkle Kapitel der chinesischen Geschichte erinnern wollten.

Nach Angaben der Polizei wurden allein am Samstag acht Personen wegen „aufrührerischer Aktionen“ oder Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen. Ein öffentliches Gedenken war in der chinesischen Sonderverwaltungsregion nicht erlaubt. Die Polizei warnte vor „illegalen Aktionen“.

Bis 2019 waren in Hongkong zum Jahrestag immer noch Zehntausende zu einer Kerzenandacht zusammengekommen, um an die Opfer des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens vom 4. Juni 1989 zu erinnern. Doch hat die Führung in Peking ihre Kontrolle über die seit der Rückgabe an China 1997 eigentlich autonom verwaltete frühere britische Kronkolonie verschärft.

Wir warten darauf, dass die Regierung sich bei den Familien aller Opfer entschuldigt und dem Volk gegenüber ihr Bedauern über das Massaker von 1989 ausspricht.

 Die „Mütter von Tiananmen“ in einem Schreiben

Die Opposition wird seit 2020 mit vage formulierten Sicherheitsgesetzen verfolgt, die weitreichende Spielräume für Repressionen eröffnen. In der Volksrepublik war ohnehin noch nie ein öffentliches Gedenken an die Opfer erlaubt. Vielmehr wurden Bürgerrechtler und Angehörige häufig unter Hausarrest gestellt oder an andere Orte gebracht.

Bei dem gewaltsamen Einsatz der Volksbefreiungsarmee gegen friedliche Demonstranten um den Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen) in Peking waren damals einige hundert Menschen ums Leben gekommen. Die genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt. Tausende wurden verletzt und inhaftiert. Das Massaker ist in China auch 34 Jahre danach ein Tabu-Thema.

Taiwans Regierung forderte die Kommunistische Partei in China auf, über die Lehren der Niederschlagung der Demokratiebewegung zu reflektieren. Präsidentin Tsai Ing-wen äußerte die Hoffnung, dass junge Leute in China eines Tages die Freiheit bekommen, ohne Angst ihre Meinung auszudrücken. In Taipeh, der Hauptstadt der demokratischen Inselrepublik, war am Sonntagabend eine Gedenkveranstaltung geplant.

Im selbstverwalteten und demokratischen Taiwan wird hingegen dem gewaltsamen Ende der prodemokratischen Protestbewegung in Peking gedacht.

Vor dem Jahrestag hatten Angehörige der Opfer eine gerechte Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der chinesischen Geschichte gefordert. In einem Appell forderte die „Mütter von Tiananmen“ genannte Vereinigung der Familien, dass sie die Wahrheit über den Militäreinsatz erfahren, Entschädigung erhalten und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

„Auch wenn wir keine Hoffnung sehen, werden wir nicht aufgeben“, hieß es in dem Schreiben, das die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation „Human Rights in China“ veröffentlichte.

„Wir warten darauf, dass die Regierung sich bei den Familien aller Opfer entschuldigt und dem Volk gegenüber ihr Bedauern über das Massaker von 1989 ausspricht.“ 116 Personen haben den Appell zum Jahrestag an diesem Sonntag unterzeichnet. (dpa, AFP)

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
showPaywallPiano:
false