Kultur : ... Zugeschlagen

5) Roberto Saviano:

Gomorrha (Deutsch von Friederike Haussmann und Rita Seuß, Hanser, 368 Seiten, 21, 50 €)

Was der Süditaliener Savanio erfuhr, als er die Frage stellte: Wo kommen nur all die Markenhandtaschen, -kleider und -sportartikel her?, gleicht dem Schock eines Kindes, das fragt, was eigentlich in der Wurst drin ist. Die Camorra lebt, so die ernüchternde Botschaft dieses sauber recherchierten und engagiert geschriebenen Buchs, und sie lebt besser denn je. Auf unser aller Kosten.

4) Eva Maria Zurhorst: Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest (Goldmann Arkana, 384 Seiten, 18, 50 €)

Welche Verzweiflung muss eigentlich in Ehen herrschen, wenn so ein schon auf den ersten Blick als grenzdebil erkennbarer Dämel-Ratgeber nach Jahren immer noch auf der Bestsellerliste steht? Und könnte man den Deutschen auch ein Buch verkaufen mit dem Titel „Liebe dich selbst und dein Auto fährt ohne Motor“?

3) Rhonda Byrne: The Secret – Das Geheimnis (Deutsch von Karl F. Hörner, Goldmann Arkana, 240 Seiten, 16, 95 €)

Die Abgeschmacktheit, mit denen bildungsferne Leser dieser Esoterikfibel in vermeintliches Geheimwissen eingeweiht werden, erinnert an mittelalterliche Quacksalber. Angemessener als jede literaturkritische Reaktion auf diese dreiste Scharlatanerie wäre das Teeren und Federn der Verantwortlichen.

2) Joseph Ratzinger, Benedikt XVI: „Jesus von Nazareth“ (Herder, 447 Seiten, 24 €)

Manchmal ist populistisches Auf-dieQuote-Schielen eine Frage des schieren Überlebens. Aber wer hätte gedacht, dass die katholische Kirche schon so weit ist? Wenn der Papst nach der Melodie des Schlagers „Lasst-uns-dieMenschen-daabholen-wo-sie-sind“ tanzt, ist es an der Zeit, die Frage zu stellen, ob diesen Menschen nicht besser damit gedient wäre, wenn ihnen ein ganz anderer Marsch geblasen würde. Die Sorge, dass ein Intellektueller auf dem Papstthron gelandet sein könnte, muss man sich nach diesem Buch nicht mehr machen.

1) Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg (Malik, 353 Seiten, 19,90 €)

Wellness und Comedy sind die Trends unserer Zeit. Aus diesen Hauptzutaten besteht auch der Sachbuch-Bestseller des Jahres. Kerkelings spirituelle Tippelbruderanekdoten berichten von einer geistigen und körperlichen Entschlackung auf dem Jakobsweg. Unterhaltsam und harmlos bis zur Läppischkeit, sind die spannendsten Momente des Buchs jene, in denen die Toleranzmaske fällt, etwa in der Erlösungsfantasie, in der sich Kerkeling in einen Ordensbruder zurückchannelt, der Kinder vor Nazi-Erschießungskommandos rettet. Allein diese Episode dürfte dafür sorgen, dass der Erfolg des Buchs auf Deutschland beschränkt bleibt.

Fortsetzung von Seite 25

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