Kultur : << Zurück: Ausstellung: Kippendes Querblau

Gyde Cold

Die an der Vermittlung von Kunst und Religion arbeitende Guardini-Stiftung hat ihre Mitte am Askanischen Platz wiedergefunden. Hier bezog sie ihr neues Domizil, in dessen Erdgeschoss sogar eine großzügige Galerie Platz findet. Die lichten Räume werden von einer Ausstellung monochromer Bilder von Johannes Geccelli eingeweiht. Kurz vor seinem 75. Geburtstag präsentiert der Lovis-Corinth-Preisträger des Jahres 1998 Arbeiten, die erstaunlich modern erscheinen. Auf seinen neuesten Leinwänden ist das rechteckige Bildfeld leicht verschoben, so dass an den Rändern die unbehandelte Leinwand offen liegt: "Querblau kippt". Seit zwei Jahren verschiebt Geccelli die Farbflächen über den Bildrand hinaus, seiner Erkenntnis folgend, die "Farbe ist ein bewegliches Wesen". Seine akkurat nebeneinander gesetzten und auf gleicher Höhe endenden Striche legen die Pinselführung offen. Die so entstandene Struktur belebt die einheitliche Farbgebung zusätzlich. Denn der Hingucker des Bildes ist ein mit dem Lineal gezogener senkrechter Spalt in der Mitte, der das Farbfeld unterbricht. Hier wird der Ton entweder dunkler oder heller als in der Umgebung, und einige Zentimeter der Leinwand liegen blank. Die Akzentuierung der Bildmitte ist Geccellis Markenzeichen. Der in Düsseldorf studierte Maler gilt als Veteran der Farbfeldmalerei, der in der bahnbrechenden Ausstellung "Monochrome Malerei" 1960 in Leverkusen seinen Durchbruch erlebte. In den 60ern hatte er Dozenturen in Hamburg und Berlin inne und war 1980 Gastdozent am Hunter College in New York. Bis Anfang der achtziger Jahre löste er aus dem Bildgrund Schemen einer menschlichen Figur heraus; zusehends verschwand sie jedoch, bis nur noch eine Spur ihrer Anwesenheit übrig blieb. An Stelle des Menschen brach durch einen Riß das Licht. Von innen kommend, strahlt es aus und ergreift die gesamte Leinwand. So wird die Mitte zum leuchtenden Ort einer erfüllten Leere.

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