13. Gallery Weekend Berlin : Bilanz des Gallery Weekends: Weniger ist mehr

Vom Star bis zum Geheimtipp: Was Berlins Galeristen an Kunst zu bieten haben, ist nach wie vor spektakulär. Trotz weniger Teilnehmer dieses Jahr kann also von Ermüdung keine Rede sein.

Die Galerie Mehdi Chouakri zeigte auf dem Gallery Weekend Berlin Werke des Schweizer Künstlers Philippe Decrauzat.
Die Galerie Mehdi Chouakri zeigte auf dem Gallery Weekend Berlin Werke des Schweizer Künstlers Philippe Decrauzat.Foto: Britta Pedersen/dpa

Im aufgeregten Kunstbetrieb sind 13 Jahre eine kleine Epoche. Galerien, Messen, Auktionshäuser: Manche haben in dieser Zeit frisch eröffnet und wieder zugemacht. Doch das Gallery Weekend in Berlin läuft. Selbst in einem Jahr, das von Veränderungen und Events geprägt ist, die ihm von allen Seiten zusetzen. So ist die Art Cologne dem Berliner Wochenende so nahe gerückt, dass sich beide Ereignisse um drei Tage überschneiden. Was immer sich der Kölner Messedirektor davon versprochen hat – die Art Cologne musste es ausbaden. Mit dem offiziellen Empfang jener knapp 50 Galerien, die am Gallery Weekend partizipierten, brach der Strom der Besucher in den Messehallen am Rhein sichtbar ab. Messen, deren Konzepte und Kojen sich glichen, gibt es viele. Das Weekend dagegen ist singulär. Und was Berlins Galeristen in ihren Räumlichkeiten an Kunst zu bieten haben, ist nach wie vor spektakulär.

Klangzauber. In seiner Videoarbeit "Take Over" verschränkt der albanische Künstler Anri die Marseillaise mit der Internationalen - mal selbst gespielt, mal wie von Geisterhand. Sie war auf dem Gallery Weekend in der Galerie Schipper zu sehen.
Klangzauber. In seiner Videoarbeit "Take Over" verschränkt der albanische Künstler Anri die Marseillaise mit der Internationalen -...Foto: Monika Skolimowska/dpa

Hier findet man, was auch in New York hoch gehandelt wird, neben Gemälden, die eben frisch aus den Ateliers von Kreuzberg bis Weißensee kommen. Etabliertes von Charline von Heyl in der Galerie Capitain Petzel, deren Bilder pro Stück mehr kosten, als manche kleine Galerie im ganzen Jahr umsetzt. Und Überraschendes von jungen Talenten, die heute noch ein Geheimtipp sind und morgen vielleicht schon international unterwegs. Diese Mischung ist nach wie vor so anziehend, dass das Gallery Weekend gut daran tut, bloß an den kleinen Stellschrauben zu drehen.

Ein halbes Dutzend Teilnehmer waren es diesmal weniger, dafür hatten zahlreiche Galerien einen zweiten temporären Ausstellungsort oder Talks zu bieten. Ähnlich wie die schier unübersehbare Zahl von Mitbewerbern, die den Kulturauftrieb an diesem Wochenende nutzen, um ebenfalls Programm anzubieten. Ein frischer Fokus auf das Inhaltliche, der dankbar angenommen wurde.

Dass die Besucher die nötige Zeit mitbringen, statt kopflos von einem Event zu nächsten zu rennen, für diese Einsicht genügte ein Besuch im Galeriehaus an der Lindenstraße oder bei Grisebach, wo der US-amerikanische Maler Kerry James Marshall mit dem künftigen Volksbühnen-Intendanten Chris Dercon sprach: Der Saal im Auktionshaus konnte die Besucher nicht fassen, die deshalb bis weit in den Flur standen, um den beiden zuzuhören. Rund 1200 geladene nationale und internationale Sammler, Kuratoren und Vertreter von Museen und Institutionen sowie rund 25000 Kunstinteressierte wurden beim Gallery Weekend insgesamt gezählt.

Monumental. Die Galerie Blain Southern zeigte in der Ausstellung "Zeitlaich" ein Werk des Berliner Künstlers Jonas Burgert. Das Megabild ist über 22 Meter lang und sechs Meter hoch.
Monumental. Die Galerie Blain Southern zeigte in der Ausstellung "Zeitlaich" ein Werk des Berliner Künstlers Jonas Burgert. Das...Foto: Monika Skolimowska/dpa

Von Ermüdung also keine Spur. Das Gallery Weekend darf stolz darauf sein, was es an einem langen Wochenende zu bewegen vermag. Auch wenn die eine oder andere Galerie ein paar globale Sammlergesichter vermisst hat. Nicht bloß die Art Cologne buhlt dieses Jahr um Aufmerksamkeit. Auch die kommenden Glanzlichter, die Biennale von Venedig wie die Documenta in Kassel, fordern ihren Tribut. Wer aus den USA anreist, der hat bald schon den nächsten Grund, nach Europa zu kommen. Einigen Sammlern ist das zuviel, sie wissen, dass die zum Weekend eröffneten Ausstellungen mindestens noch vier Wochen lang zu sehen sind. Wenn sie die Biennale und die Documenta nutzen, um en passant noch nach Berlin zu kommen, lief auch das 13. Mal völlig rund.

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