Kultur : 50 Jahre

Was die Philharmoniker und Rattle 2013/14 planen.

Mit der Sprache wird das wohl nichts mehr: Zwei Sätze spricht Simon Rattle bei der Saisonpressekonferenz der Berliner Philharmoniker am Montag auf Deutsch, dann verfällt er wieder ins Englische. Um davon zu schwärmen, worauf er sich 2013/14 freut: auf die Feierlichkeiten zum Fünfzigsten der Philharmonie beispielsweise. Am 15. Oktober 1963 öffnete der Scharoun-Bau seine Pforten, seitdem dürfen sich die Zuhörer dort als „embedded audience“ fühlen, sagt Rattle, allseitig vom Musik umgeben. Mit Bachs Matthäuspassion in der Regie von Peter Sellars feiern Rattle und das Orchester im Oktober, dazu stellt Wim Wenders einen 3-D-Film über das Gebäude vor, den er in seiner Reihe „Kathedralen der Kultur“ gedreht hat. Um das „Raumklangwunder Philharmonie“ geht es die ganze Spielzeit über, mit Musik von der Renaissance über Mozart bis zu einem Auftragswerk von Wolfgang Rihm. Ins Jahr 1963 fallen auch die Philharmoniker-Debüts von Daniel Barenboim und Bernard Haitink – mit beiden wird das Orchester feiern.

Da der neue Chefdirigent erst im Sommer 2015 bekannt gegeben werden soll, wird Rattle bestürmt, doch seine Pläne für die letzten fünf Jahre zu verraten. Was er natürlich nicht tut. Nur so viel: Mehrere thematische Zyklen plant er noch mit den Musikern, weitere szenische Aufführungen – und so viele Uraufführungen wie möglich. Außerdem, fügt Medienvorstand Olaf Maninger hinzu, werde 2018 ja keineswegs das Tischtuch zwischen dem Dirigenten und dem Orchester zerschnitten: „Sir Simon kann so häufig zu uns zurückkommen, wie er mag, inhaltlich hat er carte blanche!“

Zwei seit langem vorbereitete Projekte kann Intendant Martin Hoffmann präsentieren: Zum einen soll in Kooperation mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Juni 2014 bei einem Sommerfest das Kulturforum „vitalisiert“ werden, zum anderen wird die Philharmonie endlich Berlinale-Standort, wenn hier die restaurierte Fassung des „Dr. Caligari“ uraufgeführt wird, mit neuer Live-Orgel-Begleitung.

Lorin Maazel leitet eines der Konzerte zum 150. Geburtstag von Richard Strauss, während es bei den Osterfestspielen Baden-Baden erst einmal um Puccinis „Manon Lescaut“ unter Rattles Leitung gehen wird, bevor dort dann 2015 der „Rosenkavalier“ herauskommt. Nikolaus Harnoncourt hat sich Schumanns „Faust“-Szenen gewünscht, Reinhard Goebel, Krzysztof Urbanski und der ehemalige Solo-Klarinettist Karl-Heinz Steffens sind erstmalig als Dirigenten geladen, mit 90 Jahren debütiert Menahem Pressler als Klaviersolist. Artist in residence wird 2013/14 der Bariton Christian Gerhaher sein. F. H.

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