ACTIONTHRILLER„Stirb langsam 4.0“ : Pistolen gegen Pixel

Martin Schwickert

Mit dem Aufkommen der computergenerierten Bilder träumte sich das Actionkino Mitte der Neunziger ins Land der unendlichen Möglichkeiten. Die übermenschlichen Fähigkeiten der Helden wurden sukzessiv ausgebaut, bis hin zu den digitalen Comic-Heroen, die sich an dünnen Fäden durch Hochhausschluchten schwingen. Selbst Hänflinge wie Tobey Maguire konnten Superhelden werden, derweil sich verdiente Muskelprotze wie Arnold Schwarzenegger in die Politik zurückziehen mussten.

Aber jede Bewegung ruft früher oder später eine Gegenbewegung hervor – auch im schwerfälligen Hollywoodsystem. Und wer wäre für die Rehabilitierung des guten, alten physischen Helden besser geeignet als die Figur des John McClane? Schließlich zeigte Bruce Willis als hartnäckiges Stehaufmännchen, dass echte Actionhelden nicht nur austeilen, sondern vor allem auch einstecken müssen. Platzwunden und Achselschweiß waren plötzlich sexy.

In „Stirb langsam 4.0“ kämpft der Supercop nun gegen eine digitale Verschwörung, die die schöne, neue Informationsgesellschaft ins komplette Chaos zu stürzen gedenkt. Der Bösewicht ist ein ehemaliger FBI-Agent, der sich in die Sicherheitssysteme von Verkehrsüberwachung, Energielieferanten, Fernsehstationen, FBI und Verteidigungsministerium einhackt. Mit viel Liebe zum destruktiven Detail wird das Szenario der totalen Datenmanipulation durchgespielt. Malerisch krachen die Autos im Berufsverkehr ineinander, und sogar das Weiße Haus stürzt in sich zusammen, wenn auch nur in einem gefälschten Fernsehbild. Gemeinsam mit einem jugendlichen Freizeithacker nimmt McClane in alter Manier den Kampf gegen den selbst ernannten Datendiktator auf. Mit traditionellen ballistischen Mitteln, altmodischen Faustkampftechniken und dem rücksichtslosen Einsatz von Kraftfahrzeugen zieht der verschwitzte, blutende Held gegen den virtuellen Gegner ins Feld. Dabei bleibt genug Zeit für selbstironische Verweise. Die Actionsequenzen sind famos, ohne ins Absurde abzudriften. Ganz ohne Computereffekte kommt jedoch auch ein Held wie McClane heute nicht mehr aus. Als er sich an die Tragflächen eines Jets klammern muss, wird auch Bruce Willis für die digitale Unterstützung dankbar gewesen sein. Alte Schule. Martin Schwickert

„Stirb langsam 4.0“, USA 2007, 128 Min.,

R: Len Wiseman D: Bruce Willis, Justin Long

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