Kultur : Adventskalender

Es war ein verdammt kurzes Jahr, dieses 2001. Viele glauben, dass es am 11. September zu Ende ging. Zuvor hatten wir schon ein verdammt kurzes 20. Jahrhundert, von 1918 bis 1989. Geht die Zeit wirklich so schnell - und immer schneller? Oder ist das der rasende Stillstand, über den der Philosoph Paul Virilio so aufregende wie schwer verständliche Bücher geschrieben hat? Tempus fugit, besonders in der Adventszeit, die auch die Zeit der Jahresrückblicke ist, unvermeidlich. Eine deprimierende Geschichte. Wenn die Jahresrückblicke aus den Medien zu rieseln beginnen wie künstlicher Schnee in den Schaufenstern, dann ist man schon wieder ein Jahr älter. Ältere Menschen, heißt es, erleben die Flüchtigkeit der Zeit intensiver als jüngere. Ob die Menschheit - der Teil, der es sich leisten kann - denn jetzt insgesamt gealtert ist? Und all diese Jahresrückblicke, Listen und Bilanzen wären vielleicht ein gutes und notwendiges Innehalten, einige Momente der Besinnung? Das Gegenteil könnte der Fall sein. "Das Jahr auf einen Blick" - hinter solchen Ideen steckt vielmehr der Speed, den man schon Tag für Tag schluckt, und zwar in komprimierter und verschärfter Form. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei...: Jetzt werden sie wieder fliegen, tausendfach, die Jets aus heiterem Himmel, und sie brennen wieder, die Türme, sie stürzen ein, überall, aus allen Perspektiven. Und wir starren so lange drauf, bis wir glauben: Es ist alles nicht wahr!

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