Kultur : Ägyptisches Museum: Wüstensöhne

Nicholas Körber

Als man 1823 den Grundstock für das Ägyptische Museum im Schloss Monbijou legte, blieben einige Vitrinen leer. Nur die Hälfte der Kunstwerke, die man in Ägypten nicht sicher glaubte, erreichte die preußische Hauptstadt. Die restliche Beute ruht bis heute mitsamt dem Frachter "Gottfried" in der Elbmündung. Dennoch waren preußische Gelehrte alsbald führend in der Erforschung Ägyptens. Eine Generation später wurde eine bedeutende Expedition ausgesandt. Als deren Leiter Richard Lepsius die Cheopspyramide erklomm, hatte er nichts Eiligeres zu tun, als dort in ägyptischen Hieroglyphen eine Hymne an den preußischen König zu hinterlassen. Am 15. Oktober des Jahres 1842 ließ sich sein Forscherteam von "den käftigen Armen der Beduinen" auf den Gipfel tragen, um dort mit einem dreimaligen "Er lebe hoch!" den Geburtstag von Friedrich Wilhelm IV. zu feiern. Anschließend, so geht aus einem Brief von Lepsius hervor, wurde in den Grabkammern die preußische Hymne so inbrünstig gesungen, dass die Beduinen dachten, es handele sich um einen Gottesdienst.

Das Ägyptische Museum präsentiert derzeit ein ebenso interessantes wie amüsantes Stück Vergangenheitsbewältigung deutscher Ägyptologie. Ehe sich die mitteleuropäischen Staaten in großem Stil an die kolionalistische Unterwerfung Afrikas machten, unternahmen sie wissenschaftliche Feldzüge an die Stätten einstmals mächtiger und später wehrloser Kulturen. Dietrich Wildung, Direktor des Ägyptischen Museums, erzählt von den Details des preußischen Forscheralltags in der Vortragsreihe "Preußen am Nil". Das Unternehmen führt in die Kinderjahre der Ägyptologie wie in die politischen Eitelkeiten des preußischen Staates.

Zusätzlich zu den Vorträgen zeigt das Ägyptische Museum Zeichnungen, die während der fünfjährigen Expedition von Lepsius entstanden sind. Davon sind einige auch von kunsthistorischem Interesse. Neben exakten Wiedergaben von Grabreliefs fallen kolorierte Skizzen auf - ganz im Stile herkömmlicher Landschaftsmalerei gehalten, mit Staffagefiguren und stimmungsvoller Lichtgebung. Der Zeichner Friedrich Otto Georgi schaffte im Anschluss an die Expedition denn auch den Karrieresprung zum anerkannten Orientmaler.

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