Kultur : Aktien und Action

Eichingers RAF-Film, jetzt auch im Kino

Jan Schulz-Ojala

Heute kommt, und das ist nun fast schon wieder eine Nachricht, der Film „Der Baader Meinhof Komplex“ ins Kino. Erst heute?, dürfte mancher Medienkonsument irritiert fragen. Läuft der nicht schon seit letzter Woche – mindestens? Oder ist er vielleicht, huch, schon wieder „durch“, also raus und aus und vorbei?

Tatsächlich, im Falle dieses Filmes hat sich in der Öffentlichkeit ein bisher beispielloses Gefühl der Asynchronität festgesetzt: Das Echo geht dem Ereignis ziemlich vollständig voraus, nicht umgekehrt. Dass das so gekommen ist, liegt einerseits ganz im Interesse des Großproduzenten und Verleihs Constantin und seines Aufsichtsratsmitglieds Bernd Eichinger, der auch das Drehbuch zum „Baader Meinhof Komplex“ schrieb. Schließlich läuft nach einer generalstabsmäßig gesteuerten PR-Kampagne der Kinobesuch üblicherweise wie von allein.

Möglich aber auch, dass die kontrollierte und in Zügen durchaus kontrollwahnhafte Offensive des Verleihs diesmal nach hinten losgegangen ist. Erst schuf er unter den filminteressierten Berichterstattern böses Blut mit der Drohung, bei aus seiner Sicht zu früher Veröffentlichung ein Strafgeld von 100 000 Euro einzutreiben. Dann führte die für letzten Mittwoch gesetzte Sperrfrist dazu, dass nahezu alle relevanten Medien ihre Filmkritik sofort veröffentlichten. Der Tenor? Fast durchweg negativ.

Nun fermentieren die Verrisse. „Der Baader Meinhof Komplex“: War das nicht dieses konzeptlos abgedrehte Zeitgeschichtsspektakel, das man bei der aktuellen Filmauswahl getrost abhaken kann? Auch die als Anne Will-Talk getarnte Trailer-Show am Sonntag, in der drei am Film Beteiligte selbigen eifrig lobten, während zwei weitere Teilnehmer bedenkenswerte Kritik äußerten, dürfte sich aus Verleihersicht nicht unbedingt als gewinnbringend erweisen.

Bemerkenswerten Binnenpluralismus bewiesen schließlich der „Spiegel“ und die „FAZ“, die als Herolde Bernd Eichingers zunächst unisono verkündet hatten, der Film werde den Blick auf den deutschen Terrorismus grundlegend verändern. Vor ein paar Tagen schob „Spiegel online“ eine distanzierte Auseinandersetzung mit dem Film nach, und gestern bescheinigte die „FAZ“ dem Werk Qualitäten eines „Polit-Pornos“, der von Höhepunkt zu Höhepunkt jage: „Eskalation. Das ist das Gegenteil von Haltung.“

Ja, das ist es wohl, was eines Tages als kleinster gemeinsamer Nenner zwischen Produktion, Verleih und Filmkritik von „Der Baader Meinhof Komplex“ bleiben wird, größerer oder auch kleinerer Millionenerfolg hin oder her: dass es sich dabei schlicht um einen Actionfilm handelt. Wie sagte Bernd Eichinger dieser Tage im Deutschlandfunk? „Na klar ist das ein Actionfilm. Es ist damals ja auch irre viel passiert.“ Jan Schulz-Ojala

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