Kultur : Al Foster: Ich liebe euch alle!

Johannes Völz

"Berlin! Berlin! Jazzlovers!", ruft Al Foster am Ende in den tosenden Beifall. Sie lieben ihn wirklich: Nach allen Regeln der Kunst hat der Schlagzeuger seine Zuhörer im Quasimodo verführt. Dazu bedarf es keinerlei Aufbrüche zu neuen Ufern der Jazzgeschichte. Die Standards und Eigenkompositionen in Hardbop-Manier spielt sein Quartett so enthusiastisch, dass sich das Publikum der Verve nicht entziehen kann. Der Zauber wirkt vor allem dank der ausgezeichneten Interaktion innerhalb der hochkarätig besetzten Band. Besonders der Pianist Aaron Goldberg, der sich zuletzt bei Joshua Redman empfohlen hat, wirft sich mit dem 57-jährigen Foster die Bälle zu. Erst schenkt er dem Drummer reichlich Spielraum, indem er seine Läufe mit beiden Händen unisono perlen lässt. Steigern sich seine Soli dann ins Perkussive, treffen sich die Akkorde der linken Hand auf den Punkt genau mit Fosters Bassdrum-Schlägen. Nicht immer so glücklich agiert da der Saxofonist Dave Jensen, der für Antoine Roney eingesprungen ist. Zwar vereint er die Einflüsse der großen Tenoristen des Hard Bop. Doch in "Softly As in a Morning Sunrise" verrennt sich Jensen eigensinnig in dem Versuch, ein ganzes Solo lang sein Anfangsmotiv zu variieren. Was eine Zeit lang als Gag funktioniert, wird auf Dauer zur Geduldsprobe. Dem kleinen Egotrip des Saxofonisten setzt Al Foster Sensibilität entgegen. Der langjährige Drummer des späten Miles Davis weiß genau, wann er sich zurücknehmen muss. Weniger ist oft mehr, dsa gilt auch im Jazz. Für die melodisch klaren Bass-Exkursionen von Doug Weiss legt er die Stöcke ganz aus der Hand. Als variabler Rhythmiker beweist er sich in seinen eigenen Soli: In seinem Stück "Brandyn" singt er auf den Tomdrums sanfte Melodien. Und feuert danach in "Joshua" mit den Becken Gewehrsalven ins Quasimodo. So bringt er Band und Publikum in Wallung. Einmal gesteht er nach dem Applaus: "You know, I like it, too". Schön, wenn sich Musiker und Zuhörer einmal so einig sind.

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