Kultur : Alle Macht den Drogen

STEFAN SCHIRMER

Die Story ist gestanzt mit einer bewährten Schablonen der Traumfabrik: Das Schicksal ereilt einen Underdog, der hier Derryl heißt und die Zwangsbeglückung dringend nötig hat.Damit man seiner Mama zuhause nicht den Gashahn abstellt, nimmt der Student jeden Job an.Gegen Baresläßt er sich reihenweise für New Yorks Blut- und Samenbanken schröpfen.Sein Alltag mutiert zu einer einzigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.Die an dieser Stelle fällige Fee wird, wie das auf einem Universitäts-Campus naheliegt, von einem leicht debilen Wissenschaftler vertreten.Ihm liefert sich Derryl als gut bezahlte Testperson für ein neuartiges Serum aus, das die menschlichen Sinne extrem zu schärfen verspricht.

Damit beginnt der reizvolle Teil des Films, der seinen Antihelden im Ausnahmezustand hält: Derryl hört und sieht, riecht und reagiert dank der Wunderdroge plötzlich überirdisch gut.Für seine und des Zuschauers Ohren entfaltet jede Stecknadel die akkustische Wucht eines umstürzenden Fernsehturms.Bald wittert er seine Chance: Kann er doch sogar das Kleingedruckte der Börsennotierungen entziffern, selbst auf die Distanz eines halben Bankettsaals.So imponiert er den Firmenbossen einer Wallstreet-Firma, die per Wettbewerb einen lukrativen Job unter der Studentenschaft vergeben.Mental runderneuert, mogelt sich Derryl zum heißen Anwärter auch auf die Zuneigung seiner schönen Angebeteten Janice (Tamara Taylor).

"Senseless" ist eine temporeiche Melange aus vertrauten Typen und Handlungssträngen.Der Film lebt von seinem Hauptdarsteller Marlon Wayans, der als zeitgemäßer Jerry Lewis durch die Widrigkeiten des Leben stolpert und Gesicht und Gestik so wunderbar komisch deformieren kann.Das zeigt sich im Finale, als sich Darryl zuviel von seiner Wunderdroge gönnt.Die Wirkung kippt ins Gegenteil, der Hypersensible wird nahezu taub, die Welt verschwimmt wie hinter Milchglas.Derart behindert, geht er auf der Anreise zum Traumjob sogar seiner Kleider verlustig.

"Senseless" ist, wie so oft in Hollywood, hochmoralisch.Ein Cocktail, in dem zu den sprudelnden Hauptbestandteilen Slapstik und Comedy Spritzer klischeehaften Problembewußtseins gemixt wurden: hier das arrogante Bürschchen, protegiert vom reichen Papa und dessen Heer von Anwälten; dort der schwarze Unterprivilegierte, der geläutert am Ende jede "Keine Macht den Drogen"-Kampagne verstärken könnte.Sein Fazit: Es geht auch ehrlich nach oben.Ihn auf drogenpolitischen Abwegen wandeln zu sehen, war aber lustiger.

Filmbühne Wien, Kinowelt Friedrichshain, Zoo Palast

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