Kultur : Alle Tage Freitag

Auch beim zweiten Mal gut: „Das Sams in Gefahr“

Kerstin Decker

Fünfundzwanzig Kino-Produzenten waren bei Sams-Erfinder Paul Maar, bevor das Sams vor zwei Jahren vom Buch zum Film kam und ein großer Erfolg wurde. Vierundzwanzig Produzenten hatte Paul Maar wieder nach Hause geschickt. Zuerst schickte er die nach Hause, die, yeah, this great „Sääms“ verfilmen wollten. Als nächstes schickte Maar alle weg, die im Sams eine lustige Zeichentrickfigur erblickten. Dann kam der fünfundzwanzigste Filmproduzent. Er hieß Ulrich Limmer. Wer ist für Sie die Hauptfigur?, fragte heimtückisch der Autor. Herr Taschenbier!, antwortete ohne Zögern der Produzent. Soviel Sams-Sachverstand bei einem Filmproduzenten fand Paul Maar erstaunlich. Natürlich war Herr Taschenbier, der lebenslange Lebensanfänger, von seiner Vermieterin meist Flaschenbier genannt, die Hauptfigur. Mit dem Sams als Mitte wäre es nur eine Aneinanderreihung lustiger Einfälle geworden. Maar bestand aber auf einem Entwicklungsdrama.

Gibt es Fortsetzungen von Entwicklungsdramen? Sind Film-Fortsetzungen nicht meist schale Aufgüsse? Das Maar-Limmer-Team wusste, man muss vor allem Ernst machen mit der Entwicklung. Und mit dem Drama natürlich. Mit Sams-Hilfe ist aus Herrn Taschenbier ein Mensch geworden, der nicht mal mehr Angst vor seiner Vermieterin hat. Das war keinesfalls zurückzunehmen. Dafür hat Herr Taschenbier nun einen Sohn. Wir haben Herrn Taschenbier nicht gekannt, als er ein kleiner Junge war, aber im Sportunterricht muss er ungefähr so ausgesehen haben wie Martin (kongenial: Constantin Gastmann). Eben einer, den keiner in seiner Mannschaft haben will. Und am Ende der Stunde steht da auch noch Papa vor der Turnhallen-Tür und verteilt an alle Kinder gedruckte Geburtstagseinladungen. Da wissen wir schon alles. Niemand kommt. Zu einem Taschenbier kommt einfach niemand, schon gar nicht zum Geburtstag. Höchstens das Sams...

Wieder machen Ulrich Noethen als Herr Taschenbier und Christine Urspruch als Sams aus der größten Not eines Autors – dass nun nicht mehr jedes Kind (und jeder Erwachsener) seinen eigenen Herrn Taschenbier und sein eigenes Sams hat, sondern dass sie jetzt eben aussehen wie Ulrich Noethen und Christine Urspruch – ein Ereignis: da sieht man mal, wie Inkarnationen funktionieren. Und seltsam genug, allen gelingt das. Selbst wenn man Dominique Horwitz oder Armin Rohde sonst auch sehr gern nicht sieht: als fieser Sportlehrer Daume oder als verkannter Vorsitzender des örtlichen Rollschuhvereins Rot-Gold (Rohde) sind sie unübertrefflich. Das Fortsetzungs-Experiment ist gelungen. Regie wiederum: Ben Verbong.

In 23 Berliner Kinos

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