Kultur : Alles so schön bunt hier

Lev Khesin und seine Silikonkunst.

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Eine Ketchup-Majo-Senf-Schlacht mit zerlaufenem Spiegelei, eine blau-grün fluoreszierende Unterwasserwelt, buntes, schimmerndes Glas – zu solchen Assoziationen regen die abstrakten Bilder des russischen Künstlers Lev Khesin an, die die Galerie im Rathaus Tempelhof in der Ausstellung „Stoffwechsel“ zeigt. Besonders die sich wellenden Bildränder faszinieren: Da quietscht und quatscht die Farbe hervor, die dick aufgetragenen Schichten verraten, wie viel Material und wie viel Mühe in den Kunstwerken steckt. Auf einem Bild sind die Farbschichten gekämmt, gleichmäßige Rillen durchziehen die Masse.

Auf diesen Bildern, die man fast schon Skulpturen nennen muss, entstehen Farblandschaften und Fantasiegebirge. Das Ganze entbehrt nicht eines Hauchs von Kitsch: Zu satt sind die Farben, zu triefend, zu bunt wirken die glänzenden und glitzernden und sich wölbenden Objekte. Das Trashige ist aber durchaus gewollt und wird durch das Einfügen von Glitterpartikeln bewusst verstärkt.

Lev Khesins primäres Arbeitsmaterial ist Silikon. Der 1981 geborene Künstler, der seit 1999 überwiegend in Berlin lebt und in den USA und an der UdK studiert hat, macht sich die Eigenschaften des Kunststoffes zunutze: Lichtbrechung und Reflektion erzeugen Farbspiele und Ambivalenzen. Je nach Position des Betrachters ändern sich Farbe, Tiefe und Schattierung der Objekte.

Bis ein Bild fertig ist, kann es ein Jahr oder länger dauern. Dabei spielt auch der Zufall eine Rolle, denn die endgültigen Formen des zähflüssigen Materials, das auf unterschiedliche Weise aufgetragen wird – etwa mit Spachtel und Rakel oder indem es durch ein Lochblech gepresst wird –, sind nur bedingt steuerbar. Die entstehenden Gebilde sind „Resultat des Zusammenspiels von Künstler, Material, Werkzeug und Zeit“, so Khesin über seine Arbeit.

Galerie im Rathaus Tempelhof, Tempelhofer Damm, bis 21. September, Mo–Fr 9–18 Uhr, Eintritt frei.

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