Kultur : Alles, was Recht ist

Das Diagonale-Festival in Graz. Ein Fazit

Christa Salchner

Das Festival des österreichischen Films ist zu Ende, In Graz kehrt wieder der Alltag ein. Die roten Erkennungszeichen der Diagonale verschwinden aus den Schaufenstern der Geschäftslokale und der Ansturm auf die Kinosäle verringert sich, selbst wenn das Programm wieder kommerzieller ausgerichtet ist.

Etliche der 144 Festival-Vorführungen, in denen 239 Filme gespielt wurden, waren ausverkauft; über die Qualität der Produktionen sagt das allerdings noch nicht viel. So gehörten zu den Höhepunkten der Diagonale 2005 einmal mehr Dokumentarfilme. Gleich zwei davon befassten sich mit fatalen Irrtümern der österreichischen Justiz, „Operation Spring“ von Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber sowie „Artikel 7 – Unser Recht!“ von Thomas Korschil und Eva Simmler.

„Operation Spring“ ist der Codename der größten kriminalpolizeilichen Aktion seit 1945, die im Mai 1999 in Österreich stattfand und aus Sicht der Polizei erfolgreich verlaufen ist. Mehr als hundert Personen, überwiegend Afrikaner, wurden wegen Drogenhandel verhaftet und verurteilt. Der Film beleuchtet den Ermittlungs- und Verhandlungsalltag, jedoch ohne nach Schuldigen zu suchen. Niemand spricht hier von Ungerechtigkeiten, denn die Filmemacher verzichteten auf die entsprechenden Passagen. Ein dramaturgischer Trick, der immense Spannung erzeugt.

„Artikel 7 – Unser Recht!“ bezieht sich auf Artikel 7 des österreichischen Staatsvertrages, dessen 50. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. In diesem Artikel sind die Minderheitenrechte der Kärntner Slowenen festgehalten: Rechte, die seit Jahrzehnten missachtet werden, wie der Film eindrücklich nachweist. Drei weitere Werke ragten aus der langen Liste der Dokumentarfilme heraus: „Volver la Vista – Der umgekehrte Blick“ von Fridolin Schönwiese, „Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?“ von Gerhard Friedl, der den Diagonale-Preis für innovatives Kino erhielt und bereits bei der Duisburger Filmwoche ausgezeichnet wurde, sowie „Forst“ von den jungen Regisseuren Ascan Breuer, Ursula Hansbauer und Wolfgang Konrad.

Um den Spielfilm war es in diesem Jahr hingegen schlecht bestellt. Da verwunderte es kaum, dass Jessica Hausners stilles, minimalistisches Drama „Hotel“ um eine eben dort Angestellte mit den zwei höchst dotierten Preisen ausgezeichnet wurde. „Hotel“ hatte im vergangenen Jahr bereits Furore in Cannes gemacht. Den Förderpreis erhielt Drehbuchautor Jörg Kalt, für das Skript zum bereits auf der Berlinale gezeigten Spielfilmes „Crash Test Dummies“. Beide Spielfilme standen in Graz 2005 konkurrenzlos da.

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