Alma Mahler als Musical : Genial genital

Die Off-Musical-Company "Stammzellformation" feiert mit "Alma und das Genie" eine Uraufführung im Spiegelsaal des Theaters des Westens

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Die Muse und ihr Begleiter: Nini Stadlmann und Tom van Hasselt im Musical "Alma und das Genie".
Die Muse und ihr Begleiter: Nini Stadlmann und Tom van Hasselt im Musical "Alma und das Genie".Foto: Promo

Vor 50 Jahren hat sie ihre vom geliebten Likör Bénédictine schwer gewordenen Lider geschlossen – und doch ist Alma Mahler-Werfel nicht tot zu kriegen. Zum Fin de Siècle war sie „das schönste Mädchen von Wien“. Und wusste davon Gebrauch zu machen, verspürte sie doch einen unstillbaren Hunger nach Genies. Vielleicht hält sich Almas Ruf als Muse deshalb so lange, weil wir den Geniekult gründlich, aber nicht grundlos vergessen haben. Jedenfalls hatte Alma sie alle: Mahler, Zemlinsky, Klimt, Kokoschka, Werfel und und und. Dazu das sichere Gefühl, dass diese Herren es ohne sie nicht gebracht hätten, in der Kunst versteht sich.

Dennoch hätte Alma gerne auch mal ein Denkmal für sich. Mit ihrer Biographie, in der sie Philosophie gesammelt wissen wollte, jeder aber bei Erscheinen 1960 nur nach Pornographie suchte, hat das nicht ganz geklappt. Jetzt springt ihr die Off-Musical-Company Stammzellformation bei und widmet Alma ein satirisches Musical für eine Diva und ihren nach Höherem schielenden Begleiter. Zur Premiere im Spiegelsaal des Theater des Westens sind alle gekommen, die sich in dieser Stadt der leichten Muse verschrieben haben. Ausgelassene Klassentreffenatmosphäre. Es ist aber auch wirklich treffsicher, wie Nini Stadlmann und Tom van Hasselt in Almas Welt einführen. „Ich genieß Genies, weil’s einfach is“, stößt die brachial Wienerische Alma heraus. Man brauche den Männer nur zu sagen, sie wären genial, schon stehe das Genital. Doch ganz so einfach muss das nicht immer gewesen sein, schließlich war die Ehe mit Mahler im Bett ein Trauermarsch.

Doch Stadlmanns Alma ficht nichts an, dem Herrn am Klavier aber setzt ihr ätzender Spott zu. Aus Buchstaben gruppiert er erst liebevoll ALMA, dann MALA, nach Angespucktwerden schließlich LAMA. Auch LMAA wäre möglich und verständlich gewesen. Doch der Herr hofft auf einen finalen Musenkuss, der ihn auf die Höhe von Almas Verflossenen katapultiert. Auch ungeküsst sind van Hasselts Reimreihungen und schlängelnde Arrangements nicht ohne. Die Stadlmann raunzt beherzt: „Werdens a Muse, es ist ein dreckiger Job, aber irgendjemand muss ihn ja machen.“ Die Frage „Ist es Sex oder ist es Kunst?“ kann ohnehin niemand beantworten.

Wieder am 20./21.2. im Zebrano-Theater, www.stammzellformation.de

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