Kultur : Am schönen blauen Meer

Frank Noack

sorgt sich um die Zukunft seines Filmarchivs Wer eine umfangreiche Videosammlung besitzt, wird langsam nervös. Steht die DVD-Revolution bevor? Sind Videocassetten bald so passé wie Schallplatten und Abspielgeräte so schwer aufzutreiben wie Grammophone? Einen schwachen Trost gibt es für besorgte Videosammler: Liebhaber von Super-8 sind noch schlechter dran. Dabei feiert dieses Medium gerade erst seinen 40. Geburtstag. Es gibt sogar ein paar Idealisten, die ausschließlich auf Super-8 drehen – genügend, um ein Kurzfilmprogramm zu bestreiten. Rund 20 Arbeiten sind an einem Abend zu sehen, sie tragen Titel wie „Die beiden Miesmuschelmacherinnen“, „Sonne und Mond in Antwerpen“ und „Tanja und Xenia in der Ukraine“. Was jetzt noch fehlt, ist ein berühmter Filmemacher, der sich für dieses Medium stark macht (Sonnabend ab 19 Uhr im Kulturhof Schönhauser Allee 71).

Super-8 galt als das Medium der Amateurfilmer und somit als Garant für Realismus. Über Realismus lässt sich allerdings streiten. Filme aus der Sowjetunion galten lange als realistisch und als notwendiger Kontrast zur kapitalistischen Traumfabrik. Was jedoch an Klassikern von Eisenstein & Co. auffällt, ist das Fehlen von natürlichen Regungen. Eine Ausnahme war Boris Barnet, der als ehemaliger Boxer alles Artifizielle ablehnte. Sein Porträt einer Fischerkolchose, Am blauesten aller Meere (1936), ist ein wunderschöner, jung gebliebener Film aus der Zeit des Großen Terrors (Donnerstag im Arsenal).

Als realistisch gilt alles, was unter Arbeitern spielt. Im Fall von Jean Renoirs Zola-Adaption Bestie Mensch (1938) zu Recht: Das Eifersuchts- und Triebdrama wird immer wieder von dokumentarischen Passagen unterbrochen, die die Arbeit der Eisenbahner festhalten (Donnerstag und Freitag im Zeughaus-Kino)

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