Angeschaut : Kurz & kritisch

Drei Filme aus Panorama und Forum: "Absolute Evil", "Sólo quiero caminar" und "The Beast Stalker".

Sebastian Handke
Absolute Evil
Szene aus "Absolute Evil". -Foto: Promo

PANORAMA

Kalifornien-Action:

„Absolute Evil“ von Uli Lommel

Man muss das respektieren. Trotz eines ausgeprägten Mangels an Talent bringt Uli Lommel immer wieder Geld und Energie auf, um einen Film zu drehen. Seit vierzig Jahren – damals wurde er durch den Fassbinder-Klassiker „Liebe ist kälter als der Tod“ schlagartig bekannt – dreht er beharrlich B-Movies wie „Zombie Nation“ oder „Boogeyman“. „Absolute Evil“ ist zwar ambitioniert, aber auch hier gehen low budget und no talent eine zwanglose Verbindung ein: Ein junges Pärchen tourt durch Texas, kann einen Polizisten gerade noch abschütteln, wird dann aber von einem Mann gestellt. Eine Begegnung mit Todesfolge, die Ursachen werden im Folgenden erklärt. Lommel versucht sich an einer verschachtelten Erzählung, erzeugt aber nur handwerklichen Pfusch und Konfusion, die sich gegen Ende in nichts auflöst, weil die hanebüchene Geschichte so ausgesprochen dünn ist. Eine Altherrenfantasie mit Altherrenbildern von Frauen (dienend, dankbar, hysterisch). Empfehlenswert nur für beinharte Fassbinder-Nostalgiker und Freunde des Sonderbaren. Sebastian Handke

8.2., 19 Uhr (Zoo-Palast 1), 9. 2., 10.30 Uhr (Cinemaxx 7), 10. 2., 14 Uhr (International)

PANORAMA

Spanien-Action:

„Sólo quiero caminar“

Ein gelangweilter Wachtposten kriegt eine DVD mit einem „richtig spannenden Film“ zugespielt. Der passt genau, denn er vertreibt die Müdigkeit – und fordert die ungeteilte Aufmerksamkeit. So fährt gleichzeitig mit dem berittenen Überfall auf eine Bank in Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ eine Putzfrau in Augustin Díaz Yanes’ „Sólo quiero caminar“ mit ihrem Wägelchen vor, in dem sie jemanden in das bewachte Büro hineinschmuggelt. Auf die Sekunde genau abgepasst fällt während des Kugelhagels in dem amerikanischen Western ein Schuss aus der Laserkanone in dem spanischen Thriller. Klassische Genremuster der Filmgeschichte als Vorbild im Modernen Fünfkampf des Action-Kinos um Geld, Macht, Liebe, Rache und Sex – das kommt häufig vor; hier aber wird eine Szene minutiös in die neue Inszenierung eingepasst und strategisch wie dramaturgisch genutzt.

Ein Gangsterkrieg, Drogendealer gegen Einbrecher, mithin auch: Kapitalismus gegen Handwerk. Weil sich eine Männer- und eine Frauenbande gegenüberstehen, kommt zusätzlich Zunder in die Partie. Félix ist der Boss einer streng hierarchischen Organisation und vor allem damit beschäftigt, seinen schmierigen Charme einzusetzen. Gloria, Aurora, Paloma, Ana – das ist ein gleichberechtigtes Quartett, dessen Fähigkeiten sich ergänzen. Aurora ist Klempnerin mit ingeniösem Talent; Ana versucht es ein bisschen zu häufig, dramaturgisch gesehen, mit Blowjobs und landet damit im Unglück; Gloria und Paloma kundschaften Land und Leute aus. In der ersten Einstellung tauchen sie der Reihe nach vor der Kamera auf unter dem Titel „Just Walking“– sie laufen nur so die Straße entlang, da spürt man schon, was sie drauf haben. Bewegung ist alles: wie sie sich durch Schächte schlängeln, wie sie Mauern hochklettern, wie die Kamera es ihnen gleichtut, wie aus Planungsskizzen im fließenden Übergang Einstiege, Durchbrüche, Verstecke werden.

Der erste Bruch geht schief, Berufsrisiko. Aurora landet im Gefängnis, Ana in einer Ehe mit Félix. Immerhin kann sie ihren Freundinnen noch rechtzeitig signalisieren, was bei dem zu holen wäre, Geld für alle und Rache für sie. Als Auroras Haftstrafe überstanden ist, kann es losgehen. Zum Tatort fährt sie einmal mit dem Fahrrad, das sie mit wenigen Handgriffen zerlegt, und es wird ein Gewehr mit Zielfernrohr daraus. Rififi mit den Frauen, mit Cowgirls der Großstadt und Callboys unterschiedlichen Kalibers. Am Ende ein großer Abgang, eines Mannes letzter Wunsch ist es, Aurora noch einmal gehen zu sehen, „just walking“, das kann man verstehen.Helmut Merker

8.2., 13 Uhr (Cinemaxx 7), 9. 2., 17 Uhr (Cubix 8), 14. 2., 21.30 Uhr (Zoo-Palast 1)

FORUM

Hongkong-Action:

„The Beast Stalker“ von Dante Lam

Das ist er: der Zauber des Forums! Kaum hat sich der Zuschauer mit gutmütigem Interesse auf einen, sagen wir, viereinhalbstündigen Digitalfilmessay über die Gras-Sorten der mongolischen Steppe eingestellt, da platzt plötzlich dieses explosive Genre-Vehikel ins Programm. Vor der Hyperurbanitätskulisse von Hongkong verstrickt der Regisseur Dante Lam drei geschundene Großstadtfiguren in einen unaufhaltsam abrollenden Actionplot. Da ist erstens: der einäugige Killer, der sich auf die Entführung eines Mädchens einlassen muss, um seine Schulden abzahlen und seine kranke Frau pflegen zu können. Das ist zweitens: der schöne Cop, dessen Schuld am Tod eines Kindes ihm die Gewissensdämonen auf den Hals gehetzt hat und der nun das gekidnappte Mädchen befreien muss, um von seiner Vergangenheit loszukommen. Und da ist drittens: die Staatsanwältin, die einen Gangsterboss überführen will – deren Tochter aber entführt wurde, um genau das zu verhindern. Wie sich allmählich über Rückblenden herausstellt, sind die drei Figuren schon einmal aufeinandergeprallt. Und zwar buchstäblich, mit lautem Knall.

In bekannter Hongkong-Manier unterbricht Dante Lam seinen frenetischen Zoom-Reißschwenk-Handkamera-Stil immer wieder mit sentimentalen Passagen in Zeitlupe. Das ist expressiv, pathetisch und eminent unterhaltsam. „The Beast Stalker“: ein Cop-Gangster-Thriller in bester John-Woo- und Johnnie-To-Tradition. Julian Hanich

8.2., 22.15 Uhr (Cubix 9), 14. 2., 19 Uhr (Cinestar 8)

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