Kultur : Angst essen Kekse auf

Johannes Völz

"Sag zum Abschied leise - fick dich", flüstert Florian Werner ins Mikrofon. Und kommt damit richtig gut an bei den 50 Zuhörern in der winzigen Kreuzberger Scheinbar. Genau das wollen sie hören, schließlich ist das hier Poetry Slam - eine Mischform aus Lesung und Wettkampf, bei der die Dichter ausgelost werden. Es gilt dabei, mächtig auf den Putz zu hauen. Ob am Ende Poesie rauskommt, ist ziemlich egal.

Dabei wollten die Veranstalterinnen Xochil A. Schütz und Kerstin Pistorius bei ihrer neuen Reihe "Südslam" einmal nicht die Performance, sondern die literarische Qualität in den Vordergrund stellen. Sie hatten drei Dichter eingeladen, die in diesem Jahr Berliner Literaturpreise gewonnen haben. Doch das Publikum kürt keinen der drei zum Sieger, sondern die beiden Poeten, die ihre Texte am mitreißendsten vortragen. Florian Werner, der schon vor Jahren bei den nationalen Meisterschaften auffiel, spricht seine Texte nicht nur auswendig. Er schwenkt jede Silbe so charmant, dass selbst ein Kalauer wie "Angst essen Kekse auf" für Gelächter sorgt. Ähnlich Meral, eine Rapperin aus München. Sie faselt irgendetwas über Lebensstil, doch wiegt sie ihre Rastazotteln so schön im Takt, dass man sich bestens unterhalten fühlt. Besonders große Freude machen auch die verkannten Genies, deren Werk so bedeutungsschwer ist, dass es sie selbst jämmerlich erdrückt. Aus kiloschweren Copy-Shop-Konvoluten lesen sie vor, mit anklagender Stimme: "Arroganz - die wahre Menschlichkeit!" Nicht hohe Literatur, sondern schönste Stilblüten verdienen beim Poetry Slam einen Preis.

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