Ankauf Umbo Nachlass : Drei Museen, ein Nachlass

Otto Maximilian Umbehr gilt als einer der wichtigsten Fotografen der Moderne. Die Berlinische Galerie hat mit zwei weiteren Geldgebern seinen Nachlass gekauft. Ausstellungen sind geplant.

Giacomo Maihofer
Umbo fotografiert die Bauhauskapelle. Das Bild ist um 1927 entstanden.
Umbo fotografiert die Bauhauskapelle. Das Bild ist um 1927 entstanden.Foto: Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG BILD-KUNST

Otto Maximilian Umbehr ist 1943 als Kriegsreporter in Lybien unterwegs, als eine Bombe sein Archiv in Berlin zerstört. Über 50000 Negative des stilbildenden Bauhaus-Fotografen gehen in Flammen auf. Der Krieg verschont sein Leben, doch ein großer Teil des Lebenswerks ist zerstört.

Umbo – wie Otto Umbehr genannt wird – gilt heute neben László Moholy-Nagy als einer der wichtigsten Fotografen der Moderne und des Bauhaus. Nach dem Krieg aber gerät er in Vergessenheit. Jetzt, beinahe vierzig Jahre später, haben die Berlinische Galerie, das Sprengel Museum Hannover und die Stiftung Bauhaus Dessau seinen Nachlass, zu dem über 600 Fotografien und Schriftstücke gehören, angekauft – für 3,4 Millionen Euro.

Über sieben Jahre lang hätten die komplizierten Vorbereitungen dafür gedauert, erklärt Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie auf der Pressekonferenz im kleinen Saal des Museums. Neben den anderen Museumsdirektoren, Umbos Familie und weiteren Unterstützern sind auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Staatssekretär Tim Renners gekommen, um das Werk zu würdigen und den Ankauf zu feiern.

Das versöhnliche Ende einer tragischen Künstlerkarriere

Der 1902 geborene und 1980 verstorbene Umbo studiert Anfang der 20er Jahre zwei Jahre am Bauhaus, bevor er aufgrund eines Streits mit dem damaligen Direktor und Schulgründer Walter Gropius der Schule verwiesen wird. Damals versucht er sich noch als Maler. Er schläft im Sommer auf Parkbänken, im Winter in der Berliner Ringbahn. Dann drückt ihm sein Freund Paul Citroen eine Kamera in die Hand. Aus den anfänglichen Experimenten werden bald wichtige Werke der Fotografiegeschichte.

So wie die Fotocollage der „Rasende Reporter“ von 1926, in der Umbo Journalistenlegende Egon Erwin Kisch als hybriden Superreporter darstellt: Kippe im Mund, als Ohren Schalltrichter, als Auge eine Kamera. Ebenso die Serie „Clown Grock“ in der er, ähnlich wie in seinen Aufnahmen der Berliner Künstler Bohème, revolutionäre Close-Up-Aufnahmen macht, die heute als Grundlage der modernen Porträtfotografie gelten. 1928 wird er Mitgründer des Deutschen Fotodienstes, der bedeutendsten Fotoagentur der Weimarer Zeit. Dann kommt der Krieg, mit ihm die Bomben, die Zäsur. Umbo fotografiert zwar weiter, aber an den früheren Erfolg kann er nicht anknüpfen. Er verdient sein Geld mit Reproduktionen, arbeitet als Bürobote, Lagergehilfe und Packer.

Der Ankauf von Umbos Nachlass ist das versöhnliche Ende einer tragischen Künstlerkarriere. Die drei Institutionen haben angekündigt bei der wissenschaftlichen Erschließung und Präsentation eng zusammen zu arbeiten. Für das Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 will jedes Haus eine eigene Ausstellung zu einer Schaffensphase des Fotokünstlers organisieren.

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