Kultur : Anti-Global

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Die Polizistin und der Polizist bahnen sich ihren Weg durch ein irritiertes Publikum auf dem Dach des Hauses der Kulturen der Welt. Am Mischpult gegenüber der Bühne machen sie Halt. Der männliche Kollege packt einen kleinen weißen Kasten aus, hält ihn in die Luft und schaut prüfend auf die Digitalanzeige. Nach dreimaliger Wiederholung der Dezibelmessung nickt er und schreit: „Alles okay." Der Mixer atmet auf. Wer sich da wohl über die Musik beschwert hat? In unmittelbarer Nähe steht nur das Kanzleramt. Hat Gerhard Schröder etwas gegen Macaco? Besser nicht, denn Macaco aus Barcelona macht noch jede Krise klein. Die acht Makaken um Bandleader Dani, den sie den „Verrückten Affen“ rufen, sorgen mit ihrer erdigen Fusion aus Rumba, Ragga, Jazz und Hip-Hop dafür, dass sich das bunt gekleidete, vom Caipirinha beflügelte Publikum in den Armen liegt, wild herumknutscht, jubelt, johlt und die Rastalocken schüttelt. Davor hatte der sich lasziv am Bauchnabel streichelnde Diplomatensohn Wagner Pà  die Menschen zum Kiffen animiert. Der Brasilianer lebt ebenfalls in Barcelona, sein Reggae ist das entspannte Gegenstück zu den rhythmisierten Macaco. Beide Bands sind mit einigen anderen Musikern, zu denen auch Manu Chao gehört, für den so genannten „Sound von Barcelonas Hafen“ verantwortlich. Musikstile aus allen Ecken der Welt werden hier zwanglos integriert, der elektronische Sound der Hafenstadt mit den bodennahen Einflüssen des Südens kombiniert. Die Bandmitglieder von Macaco stammen aus Argentinien, Kolumbien, Kuba, Venezuela, Brasilien und Katalonien. Sie sind die „Globalistas“, die besser als jede Freihandelszone die Chancen der entgrenzten, neuen Welt darstellen. Nur Globalisierungsgriesgrame rufen da die Polizei. Philipp Lichterbeck

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