Architektur : Demut vor dem Gebauten

DAM-Architekturpreis in Frankfurt am Main.

Christian Huther

Umnutzungen und Umbauten sind das Gebot der Stunde. Man könnte das Modewort „Nachhaltigkeit“ bemühen. Das zeigt die Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt am Main zum alljährlichen DAM-Preis für Architektur in Deutschland. Über die Hälfte der 24 Projekte sind Bauten im Bestand. Beispielsweise das Museum Kolumba in Köln von Peter Zumthor, das in diesem Jahr Preisträger ist. Die spätgotische Kirche St. Kolumba wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf einige Außenmauern zerstört. Später errichtete Gottfried Böhm eine Kapelle über einer unversehrt gebliebenen Madonnenskulptur. Mittlerweile hat Zumthor die Mauern und die Kapelle in einen Neubau für das Kunstmuseum des Erzbistums Köln integriert.

Freilich macht der Schweizer Architekt keinen Unterschied zwischen Alt und Neu. Zumthor hat seinen kubischen Bau zwischen Burg und Trapez mit 50 Zentimeter langen Ziegeln an die alten Mauern angesetzt, ohne die sonst übliche Fuge aus Glas oder Stahl.

Ungewöhnlich viele DAM-Projekte sind in Berlin angesiedelt oder werden von Berliner Architekten ausgeführt. An erster Stelle ist David Chipperfields Galeriehaus gegenüber der Museumsinsel zu nennen. Sein Bau ist modern, besteht aber aus Abbruchziegeln von Brandenburger Kasernen, fügt sich also vom Material her in das Gründerzeit-Umfeld ein. Dagegen hat das Büro Realarchitektur einen Hochbunker in der Reinhardtstraße außen unverändert gelassen und drinnen zu labyrinthischen Räumen für die Kunstsammlung Boros umgebaut.

Schon länger einen Namen gemacht haben sich Kühn Malvezzi mit ihrer unprätentiösen Art, dank weniger Änderungen einen anderen Bau zu kreieren. Bewiesen haben sie das, nach dem Umbau der Binding-Brauerei in Kassel für die documenta 1992, jetzt für die Kunstsammlerin Julia Stoschek. Für sie verwandelten sie eine 100 Jahre alte Düsseldorfer Fabrik in ein Ausstellungs- und Wohnhaus. Manche Dachstützen indes scheinen eher Zierde als Konstruktion zu sein.

Aus diesem Verwirrspiel zwischen Schein und Sein machen Hild und K (München) ein Konzept. Ihr Umbau eines Schlosses zum Seminarzentrum lässt die Bauhistorie in der Schwebe. So bleibt ungewiss, ob das sanft geschwungene Treppenhaus aus dem Barock oder aus dem Jugendstil stammt, vielleicht gar neu ist. Offensichtlich wächst die Zahl der Architekten, die mit einer gewissen Demut vor dem Gebauten stehen und es nicht mit einer weiteren Handschrift überformen wollen.

Frankfurt am Main, Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, bis 15. März. Katalog 29,95 €.

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