Kultur : Asche im Fluss

Verborgene Orte: Die Galerie Kunstagenten zeigt Fotos von Friederike von Rauch

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Im Aufbau. Blick in den Keller der künftigen Konzerthalle Reykjavik. Foto: Kunstagenten
Im Aufbau. Blick in den Keller der künftigen Konzerthalle Reykjavik. Foto: Kunstagenten

Selten sieht man das Wort „Photograph“ so wörtlich ausgelegt wie auf diesen neuen Blättern von Friederike von Rauch. In ihren 2009 und 2010 entstandenen Serien „Transept“, „Harpa“ und „Ash“, die von der Galerie Kunstagenten in Auszügen präsentiert werden, schaut der Betrachter in verborgene Winkel einiger Berliner Kirchen aus der Nachkriegszeit und in Unterräume der noch im Aufbau befindlichen Konzerthalle in Reykjavik. Im dritten Teil weitet sich der Blick auf eine düstere, von Asche bedeckte Landschaft im Süden Islands.

Menschen kamen nicht in den Blickwinkel der in Berlin lebenden und arbeitenden Fotografin, Jahrgang 1967, obwohl Interieur und Betonwände doch Menschenwerk sind und unter Vulkanausbrüchen die Anwohner zu leiden haben. Der Betstuhl, den ein Lichtstrahl streift, scheint verlassen, der Klingelknopf an der Wand so nutzlos wie die zur Seite geschobenen Tische in der Kirche. Ob zwischen den Mauern aus Beton je Konzerte erklingen werden, bleibt zweifelhaft. Todesstille erfüllt die unter Asche begrabene Felsenlandschaft.

Friederike von Rauch, die sich zuerst mit Innenansichten aus David Chipperfields damals noch unvollendeten Bauten im Neuen Museum einen Namen machte, genießt den Anblick unfertiger Gebäude, leerer Räume und ausgestorbenerGegenden. Das Grau des Betons übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf sie aus. Manchmal dominieren Licht- und Schatteneffekte. In der Serie „Transept“ zeigt sich ein warmes Braun, das von Vorhängen, einer Wand im Schatten oder einem Lichtschacht herabfließt. Hier nähert sich jemand mit der Kamera, womöglich mit Computerhilfe, der abstrakten Graphik an, die auch keine konkreten Inhalte kennt. Die Bilder (Einzelpreis zwischen 2200 und 6800 Euro) fordern den Betrachter auf, Räume und Landschaften mit eigener Assoziation zu füllen.

Ganz wollten die Fotografin oder auch die Galerie wohl doch nicht allein den graphischen Reizen vertrauen: Vor der Serie „Ash“ rollt der renommierte DJ Marcel Dettmann einen halbstündigen „Klangteppich“ aus minimalistischen Stücken diverser Herkunft aus und erweitert die Kunstbetrachtung so zum erhebenden Erlebnis. Hans-Jörg Rother

Galerie Kunstagenten, Linienstr. 155; bis 16. April, Mi-Sa 14-19 Uhr, Katalog 18 Euro.

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