Kultur : Auch eine Frage der Chemie

Will Antje Vollmer werden, was Nida-Rümelin ist?

NAME

Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) will sich bis Ende dieser Woche mit der Universität Göttingen über die Zukunft seines Lehrstuhls für Philosophie verständigen. Nida-Rümelin ist seit seiner Berufung zum Münchner Kulturdezernenten 1998 und später zum Kulturstaatsminister im Kanzleramt beurlaubt. Da die Hochschule Nida-Rümelins Rückkehr und eine Beendigung des Schwebezustands wünscht, hatte der Staatsminister dem Tagesspiegel erklärt, dass er im Falle einer Nichtverlängerung der Beurlaubung auf seinen Lehrstuhl zurückkehren würde. Nida-Rümelin strebt jedoch vor der Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Laufbahn eine zweite Amtszeit im Kabinett Schröder an.

Die Unsicherheit über seine politische Zukunft weckt damit auch anderweitige Begehrlichkeiten. So ist es kein Geheimnis, dass die Grünen-Politikerin Antje Vollmer, bisher Vizepräsidentin des Bundestags, mit dem Amt des Kulturstaatsministers liebäugelt. Wenn schon nicht vier statt bislang drei Ministerposten, hätten die Grünen dann „dreieinhalb“. Gegen diese Variante spricht allerdings, dass die Kulturpolitik im Bund nicht zu den genuinen Themen der Grünen zählt. Außerdem gilt das Verhältnis des Bundeskanzlers zu Antje Vollmer als belastet, weil Vollmer bei der Entscheidung über den Afghanistan-Krieg zu den schärfsten Kritikern der Regierungspolitik gehört hatte. Auch auf Seiten der SPD heißt es, dass „die Chemie“ zwischen Schröder und Vollmer nicht derart sei, dass der Kanzler sich die Grünen-Politikerin ins eigene Amt holen wolle.

Zur möglichen Konkurrenz Nida-Rümelins innerhalb der SPD zählt noch Monika Griefahn, früher in Schröders niedersächsischem Kabinett Umweltministerin und zuletzt Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses. Doch hätte sie nur Chancen, falls Nida-Rümelin an die Universität wechselt. Andernfalls soll er nach Schröders Willen das Amt behalten. Eines der Gedankenspiele vor den am Montag erst richtig beginnenden Koalitionsverhandlungen ist auch eine Ausweitung der Kompetenzen des Kulturstaatsministers in Richtung auswärtige Kulturpolitik. Die Goethe-Institute sind bisher dem Auswärtigen Amt zugeordnet. Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben