Kultur : Auf Grund gelaufen

Steffen Richter

über den Schiffbruch als Metapher Gleich zu Beginn treibt Roberto de La Grive auf einer Schiffsplanke in der Südsee. Die „Amarilli“ ist in einem Orkan untergegangen, Land ist keines in Sicht. Roberto bleibt nur, sich auf ein anderes Schiff, die verlassen dahindümpelnde „Daphne“ zu retten. Und sein Autor, der listenreiche Umberto Eco, bringt in der „Insel des vorigen Tages“ fast beiläufig eine zentrale Metapher der Moderne auf den Punkt: der Schiffbruch, dem das Festland abhanden gekommen ist.

Eine der künstlerisch fruchtbarsten Schiffbruch-Szenen ist der Untergang der „Medusa“. Die französische Fregatte war 1816 auf dem Weg in den Senegal auf Grund gelaufen. Und während Offiziere und einflussreiche Passagiere die Rettungsboote besetzten, mussten 150 Menschen mit einem eilends zusammengezimmerten Floß vorlieb nehmen. Nach zwölf Tagen waren nur noch 15 von ihnen am Leben. Als der Maler Théodore Géricault drei Jahre nach dem Unglück sein Riesengemälde „Floß der Medusa“ vorstellte, gab es in Paris einen veritablen Skandal. Die wichtigste Quelle für Géricault aber bildete ein dokumentarischer Bericht der Überlebenden J.B. Henri Savigny und Alexandre Corréard. Nun wird der fast 20 Jahre nicht lieferbare „Schiffbruch der Fregatte Medusa“ neu aufgelegt (Matthes & Seitz Berlin). Bei der Buchpremiere am 23.5. in den Verlagsräumen von Matthes & Seitz (Göhrener Str. 7, 20 Uhr) kann man von Johannes Zeilinger und Jörg Trempler, die ein Nachwort und einen Essay beigesteuert haben, einiges zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte von Géricaults Gemälde erfahren.

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