AUF Schlag : Ach Basti, Du blonder Blitz!

"Lieber Herr Schweinsteiger, als Sie dieses wunderbare Tor gegen Portugal geschossen haben, saß mein Mann wieder in seinem Zimmer und forschte!" Moritz Rinke schreibt einen Brief im Namen von Angela Merkel.

Moritz Rinke

Lieber Bastian Schweinsteiger,

ich möchte mich noch einmal bedanken für das „Wunder von Basel“ (3:2 für uns!) und für die schönen Stunden auf der VIP-Tribüne gegen Österreich (1:0 für uns). Ich war ausgesprochen froh, dass Sie gegen Kroatien eine rote Karte erhalten haben, durch die unser Treffen erst möglich geworden ist. Ich habe soeben meinen Sprecher verbreiten lassen, „dass die Bundeskanzlerin“ – also ich – „die offene und frische Art von Herrn Schweinsteiger schätzt“. Ich möchte aber noch persönlich hinzufügen, dass es mich bewegte, wie Sie mir erklärten, was eine Coaching-Zone ist und was sich damals in Cordoba zugetragen hat. Ich fand es frisch und süß, weil Sie damals doch noch gar nicht geboren waren, und ich lebte in der DDR, lernte meinen ersten Mann Ulrich Merkel kennen, er war Physiker, mein zweiter Mann ist auch Physiker, gerade jetzt sitzt er in seinem Arbeitszimmer und forscht.

Lieber Herr Schweinsteiger, als Sie dieses wunderbare Tor gegen Portugal geschossen haben, saß mein Mann wieder in seinem Zimmer und forschte! Ich habe Ihr Tor ganz alleine gesehen. Wie ein blonder Blitz bist du herangestürmt, da ging ein Ruck durch mich, ich sage jetzt einfach „du“, ich habe festgestellt, dass wir eine offene, frische Art miteinander haben und dass da auf der VIP-Tribüne auch durch dich ein Ruck gegangen ist.

Lieber Basti, als vor ein paar Tagen George W. Bush wieder mal etwas zu lang meinen Nacken im Schloss Meseberg streichelte, da habe ich nur an das Ernst-Happel-Stadion gedacht, an die VIP-Tribüne, vielleicht auch an einen blonden Blitz, der in mein Leben kam. Mich umschwärmen die Regierungsmänner wie Motten das Licht. Wenn Sarkozy stundenlang meine Hand küsst, ist mein Mann eifersüchtig! Nun weiß ich, dass du eine neue Freundin hast, sie heißt Sarah. Ich habe sie mir auf YouTube angesehen, sie ist Model und blond, kannst du denn überhaupt mit ihr reden? Du mit einem Model und ich mit einem Physiker – irgend etwas stimmt da nicht ... Frauen in Sarahs Alter sind flatterhaft, sie flattern, es gibt so viele Medienschlampen, die nur ins Fernsehen wollen.

Lass uns in Zukunft ein bisschen über die globalisierte Welt reden! Über das Leben. Über die EU. Über die Ehe. Wovon träumst du? Willst du Kinder? Wie soll eine Welt aussehen, in der unsere Kinder leben können? Ich werde noch lange die Geschicke dieses Landes lenken, sag mir einfach, was du willst. Eben hat mich Obama angerufen, Joachim hat mir das Telefon gegeben und ganz mürrisch gesagt: „Obama!“, ich finde übrigens, ihr habt Ähnlichkeit, du und Obama, dieses Charismatische, dieses Blitzhafte. Wollen wir mal nach Bayreuth? Auf deiner Homepage schreibt dir eine Dominique, ob du sie im Schullandheim Oberaudorf besuchen willst! Kriegst du so etwas öfters? Willst du nicht lieber mit zum G8-Gipfel nach Japan? Oder hau doch einfach einem Türken am Mittwoch einen vor’n Latz und dann treffen wir uns zum Finale im Wiener Prater? Ich lasse den Prater absperren, Public Viewing, aber nur wir beide und du erklärst mir wieder, was Sache ist. Und mail mir wegen Japan.

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