Kultur : Augenflimmern

Katrin Wittneven

findet tanzende Prilblumen und explodierende Sterne Back to the future: Die Galerie Johann König zeigt in diesem Sommer Werke des 1937 geborenen Düsseldorfer Malers Manfred Kuttner , die Anfang der sechziger Jahre entstanden sind (Weydingerstraße 10, bis 13. August). Das liegt nicht gerade auf der Hand, denn Kuttner, der einst zusammen mit Gerhard Richter, Konrad Lueg und Sigmar Polke ausstellte, zog sich bereits Mitte der sechziger Jahre vom Kunstmarkt zurück. Jetzt wird er wiederentdeckt. Seine abstrakten Großformate, gemalt mit den damals gerade auf den Markt gekommenen Neon-Plakafarben, wirken heute ungemein aktuell: Gitterstrukturen, bei denen grelles Grün auf knalliges Rot trifft, tanzende pinkfarbene Quadrate auf blauen Kreisen, geometrische Raster, die Augenflirren erzeugen (Preise auf Anfrage). Dabei geht es weniger um visuelle Verwirrspielchen, sondern um die Frage nach dem verbliebenen Raum in der Malerei. Kuttners Prilblumen sind gezielt unperfekt gemalt. Er lässt stellenweise die Leinwand einfach leer und anderswo die Farbe lässig über die Ränder fließen. Der stets durchscheinende Bleistift macht den Entstehungsprozess der Bilder, die so lakonische Titel wie „Wurzel aus Null ist Eins“ oder „4711“ tragen, überdeutlich. Das Interesse an Kuttner 40 Jahre später kommt nicht von ungefähr: Eine junge Künstlergeneration entdeckt konzeptuelle Ansätze, die in der Malerei zu geometrischen Strukturen führen, gerade neu – ein Indiz dafür, dass in der Kunst die Fäden immer wieder aufgenommen werden.

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Überzeugen kann man sich davon in direkter Nachbarschaft: Der Zufall wollte es, dass sich einer der Söhne Kuttners dem Kunstmarkt zuwandte und Galerist wurde. 2003 eröffneten Tobias Kuttner und Mathias Siebert ihre Galerie Kuttner Siebert in der Rosa-Luxemburg-Straße. Zurzeit ist hier die Sommerausstellung „Painting Matters“ zu sehen, die Werke von vier Malern vereint (bis 20. August, Preise auf Anfrage). Die 1975 geborene Anja Schwörer behandelt ihre schwarz durchgefärbten Leinwände mit Wachsschichten und Bleichmittel, so dass feine Netzstrukturen entstehen, Terry Haggerty sprüht Acrylfarbe zu geometrischen Op-Art-Mustern, die Schweizerin Silva Reichwein lässt in scheinbar pulsierenden Vertikalen auf der Leinwand Vorder- und Hindergrund changieren und der 1974 geborene Lars Breuer in seiner silberschimmernden Wandmalerei Sterne explodieren. Manchmal können aus Zufällen auch Glücksfälle werden.

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