Auktion : Schlüsselwerk Gerhard Richters wird versteigert

Das Auktionshaus Christie's auktioniert am 15. November in New York das zentrale Werk "Herr Heyde, als er sich den Behörden stellte". Erst vor wenigen Tagen war bekannt worden, dass Richter weltweit der gefragteste Künstler der Gegenwart ist.

London - Das Auktionshaus Christie's versteigert am 15. November in New York das unter Experten als Schlüsselwerk für Gerhard Richters gesamtes Oeuvre geltendes Werk "Herr Heyde, als er sich den Behörden stellte". Der Schätzwert liegt bei umgerechnet 1,6 bis 2,4 Millionen Euro, wie Christie's in London mitteilte. Erst vor wenigen Tagen war bekannt worden, dass Richter erneut weltweit der gefragteste Künstler der Gegenwart ist. Der 1932 in Dresden geborene Richter sicherte sich den ersten Platz im Kunstkompass der Zeitschrift "Capital" zum wiederholten Male.

"Dieses wichtige Werk Gerhard Richters wird auf großes internationales Interesse stoßen, auch da es seit seiner Schaffung 1965 nicht mehr auf dem Kunstmarkt angeboten wurde", sagte Andreas Rumbler, Geschäftsführer von Christie's Deutschland. Es sei ein bedeutendes Zeitdokument der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Bildunterschrift "Werner Heyde, als er sich den Behörden stellt" im November 1959, verweise auf schreckliche deutsche Geschichte sowie auf eine tragische Facette in Richters Familiengeschichte.

Richters Tante Marianne war im Rahmen des von Heyde mit verantworteten Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten ermordet worden. Mit seinem Ölbild "Tante Marianne", das im gleichen Jahr wie "Herr Heyde" (1965) entstand, hatte der Künstler seiner Tante und damit allen Euthanasie-Opfern ein Denkmal gesetzt.

Richters erster Schwiegervater, Heinrich Eufinger, hatte als leitender SS-Arzt und Kollege von Heyde den Tod von Richters Tante Marianne mit verantwortet. Richter hatte Eufingers Tochter Ema 1957 in Dresden geheiratet. Von den Verbrechen seines Schwiegervaters hatte der Künstler nach eigenen Angaben keine Kenntnis. (tso/ddp)

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