Kultur : Aus dem Osten kommt das Nichts

ARCHITEKTUR

Michael Zajonz

Wenn sich Architekten zur Geschichte oder Theorie der Profession äußern, provozieren sie Vergleiche mit ihrem gebauten Werk. Hans Kollhoff hat dieses Maßnehmen immer wieder streitbar angestoßen. Umso gespannter wurde die Diskussion mit Tagesspiegel-Redakteur Bernhard Schulz im Rahmen der Kasimir-Malewitsch-Ausstellung der Deutschen Guggenheim Berlin erwartet: Was haben Kollhoffs neoklassizistische Häuser mit dem Architekturbegriff des sowjetischen Avantgardemalers gemein?

Wer Kommentare zum aktuellen Bauen erwartete, wurde enttäuscht. Kollhoff insistierte vielmehr auf der Frage nach der künstlerischen Essenz von Malewitschs eigenartigen Schöpfungen. Nachdem Malewitsch an die Grenzen der Malerei vorgestoßen war, entwickelte er ab 1923 dreidimensionale, räumliche Gipsmodelle für zweckfreie Architekturen. Kollhoff bot einen biografischen Zugang zu diesem intellektuellen Labyrinth. In seiner Studienzeit, so der 1946 geborene Architekt, hätte man sich um alles, nur nicht um die künstlerische Dimension des Bauens gekümmert. Gleichwohl ließ den Systematiker Kollhoff das „labormäßige Heranarbeiten“ Malewitschs „an eine Architektur, die jenseits ihrer Lebensdienlichkeit Empfindungswerte“ ausdrückt, fortan nicht mehr los. Dass sich der Avantgardist Malewitsch schließlich eine zeitgemäße „Wiedergeburt des klassischen Geistes“ herbeisehnte, dürfte dem Berliner Meister des kalkulierten Rückgriffs nur recht sein.

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