Kultur : Aus dem Süden kommt die Kraft

KAMMERMUSIK

Joscha Schaback

Krachende Bogengeräusche, mitschwingende Mittelsaiten, eine klirrende leere A-Saite – all die Nebeneffekte eines impulsiven Cellospiels sind Jan Vogler im Konzert mit seinem Klavierbegleiter Louis Lortie auf der Bühne des Kammermusiksaals recht. Mehr noch: Sie sind Teil seines ruppig-expressiven Spiels. Für Schumanns „Fünf Stücke im Volkston“ aber auch für Manuel de Falla funktioniert das wunderbar: Hat man je mehr Überraschungen, ja Abgründe bei Schumann gehört? Und kann man sich eine „Danse rituelle de feu“ feuriger vorstellen? Voglers expressiver Zugang allerdings bekommt Mendelssohns D-Dur-Sonate weniger gut. Sie wirkt seltsam vernebelt. Auch der erste Satz aus Claude Debussys Sonate sowie Ravels „Pièce en Forme de Habanera“ klingen etwas überanstrengt. „Mensch Jan“, möchte man rufen, „mach’s wie Louis und lehn‘ dich ein bisschen zurück.“ Auch wenn man sich vom Pianisten manchmal ein wenig mehr Initiative gewünscht hätte, spielt Lortie durchweg einen relaxten und humorvollen Part, der vor Souveränität nur so strotzt. Der auch als Solist erfolgreiche Pianist, bleibt ganz musikalischer Gentleman und überlässt Vogler die Show. Dennoch kommen die beiden als Duo in den Herzen des Publikums an. Nach zwei spanischen Zugaben flitzen sie an Gratulanten und Küsschengebern vorbei zum Signieren ins Foyer: Die neue Mendelssohn-CD (Berlin Classics) wird so manchen an einen schönen Abend erinnern.

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