Ausgehen: Solar am Anhalter Bahnhof : Eiswürfelflug himmelwärts

Wie schön sie ist: die Berliner Skyline. Unsere Autorin beobachtet die schlafende Stadt aus dem Solar am Anhalter Bahnhof.

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Berliner Skyline
Blick auf Berlin bei NachtFoto: picture alliance

Sieben Mojitos! Und zwar jetzt gleich. Die sieben Typen in ihren weißen Hemden und schwarzen Anzügen entwickeln am kurzen Ende der Bar eine penetrante Wir-sind-superwichtig-Präsenz. Sie überrumpeln den Barkeeper damit, die Gäste an der Längsseite müssen warten und schleudern böse Blicke in die Richtung der aufgeblasenen Kerle. Beruhigender wirkt es aber, einfach an ihnen vorbeizugucken – hinaus auf das nächtliche Berlin, das von hier oben aus dem 17. Stock des Solar am Anhalter Bahnhof ziemlich schick aussieht. Vor allem wenn man sich der nördlichen Fensterfront zuwendet.

Die Aussicht ist die größte Attraktion des Ladens, in dem einst ein CIA-Horchposten, später ein kanadisches Restaurant und dann ein Café untergebracht waren. Schon während der Fahrt im gläsernen Außenaufzug vergisst man dabei die graue Klotzigkeit des Plattenbaus, der das Solar beherbergt. Und irgendwie bleibt auch ein großer Teil des Alltagsärgers auf der Strecke himmelwärts, verdrängt durch ein leicht mondänes Metropolengefühl. Fast so, als ginge der Hollywoodfilm, den man vorher am Potsdamer Platz gesehen hat, in die Verlängerung. Der Fahrstuhl stoppt im Restaurantbereich, über eine Wendeltreppe erreicht man die Bar. Hier legen wechselnde DJs elektronische und soulige Musik auf, wobei die Lautstärke eher dezent ist. Es geht mehr ums Chillen und Trinken als ums Tanzen. Wippen geht auch: Von der Decke baumeln geplosterte Sitzflächen. Und in der Raucher-Lounge kann man sogar im Liegen auf die schlafende Stadt schauen.

Am langen Tresen, in dem Videoprojektionen flimmern, herrscht für einen Wochentag ein ziemliches Gedränge. Touristen, Geschäftsleute, Berliner – alle schauen sehnsüchtig zu den überlasteten Barkeepern. Unserer gibt sich nach den sieben Mojitos, die er in Marmeladegläsern serviert hat, viel Mühe, die Wartezeit durch Charme wettzumachen. Und ja, Eiswürfel hochwerfen und hinter dem Rücken auffangen, solche Tricks stimmen natürlich umgehend versöhnlich. Dass die Margaritas, die er mixt, sehr lecker schmecken ebenfalls. Das Mondänheitsgefühl steigt noch mal um zehn Prozent. Bisschen abheben im 17. Stock – schon schön.

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