Kultur : Aussendung

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Das eigene Auto in einem Parkhaus abzustellen, ist – geben wir es zu – mit einem gewissen Unbehagen verbunden. Man schließt sein Fahrzeug ab und versucht, das dunkle, kalte Gebäude so schnell wie möglich zu verlassen. Die beiden Künstlerinnen Penelope Wehrli und Kyra Stratmann haben nun das untere Parkdeck des Berliner Festspielhauses in apfelgrünes Neonlicht getaucht und mit ihrem Projekt „aether – epilog in monologen“ zur Installation gemacht (Schaperstrasse 24. 5.-8., 13.-16., 19.-22., und 26.-29.9. jeweils von 16 bis 21 Uhr) . Die Besucher bleiben in ihren geparkten Autos sitzen und schalten ihr Radio ein. Stimmen fremder Menschen machen sich im Inneren der Fahrzeuge breit. Das Auto wird zur Hörkapsel und das Parkdeck zum „Radio drive in“. Was man hört, sind Kommentare von 70 Befragten, die von ganz persönlichen Sehnsüchten und Träumen oder von einschneidenden Erlebnissen und Begegnungen erzählen. Das Auto, für gewöhnlich Hochamt der Mobilität, wird zum Ort des Verweilens, der öffentliche Raum zur Plattform intimer Bekenntnisse. Die Parkenden haben die Möglichkeit zwischen fünf Radiofrequenzen zu wählen, die auf elektronischen Laufbändern angezeigt werden. Auf 90,7 FM philosophiert eine weibliche Stimme über Gerechtigkeit, eine andere wünscht sich eine neue Partnerschaft. Auf 95,3 hofft ein Mann, für andere da sein zu können. Und ein Afrikaner erzählt auf 88,3 von einer Begegnung mit einem irischen Dichter in Paris. Einige Hörparker verlassen auch mal das eigene Fahrzeug, setzen sich in andere Autos, um mit jemandem über das Gehörte zu sprechen. An Orten wie diesen, glauben die Künstlerinnen, würden sich philosophische Gedanken wie „Ich bin wie ich bin, um zu sein“ nicht in Nichtigkeit auflösen. Claudia Cosmo

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