Ausstellung : 650 Jahre Goldene Bulle

Sie ist eines der kostbarsten Dokumente der deutschen Geschichte und doch kaum bekannt: Die Goldene Bulle. Zum 650-jährigen Jubiläum widmen vier Frankfurter Museen dem erstem "Grundgesetz" eine große Ausstellung.

Frankfurt/Main - Die 650 Jahre alte Urkunde mit ihren 86 beschriebenen Seiten, der nur noch zu erahnenden roten Farbe des Einbandes und dem goldenen Siegel war das "Grundgesetz" des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1356 von Kaiser Karl IV. verfasst, regelte die Bulle bis zum Ende des Reiches vor genau 200 Jahren die Wahl der deutschen Könige und Kaiser. Das Doppeljubiläum nehmen gleich vier Frankfurter Museen zum Anlass für eine aufwändige Gemeinschaftsausstellung über das "Alte Reich", dessen politische Ordnung noch heute im deutschen Föderalismus nachwirkt. Erstmals seit zwölf Jahren wird dabei auch die Goldene Bulle wieder im Rahmen einer Ausstellung gezeigt.

Neben Frankfurt blicken derzeit bundesweit eine ganze Reihe weiterer Ausstellungen auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zurück - auf jenes Staatengebilde, das niemals wirkliche politische Schlagkraft entwickelte und dennoch mit 844 Jahren länger bestand als jeder andere Staat in der deutschen Geschichte.

Großprojekt war konzeptionelle Herausforderung

Die Organisation und Koordination des kulturgeschichtlichen Großprojekts, das mindestens 50.000 Besucher anlocken soll, sei eine konzeptionelle Herausforderung gewesen, erzählt Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums. Wenn die 2,5 Millionen Euro teure Ausstellung "Die Kaisermacher - Frankfurt am Main und die Goldene Bulle 1356-1806" am 30. September beginnt, liegen zwei Jahre intensiver Planung hinter den Verantwortlichen des Instituts für Stadtgeschichte, des Historischen Museums, des Dommuseums und des Jüdischen Museums.

Prunkstück der Ausstellung ist natürlich die Bulle, deren Name von ihrem goldenen Metallstempel (lateinisch "bulla") herrührt. Sicher verwahrt liegt dieser historische Schatz normalerweise in den Gewölben des ehemaligen Karmeliterklosters, das heute das Institut für Stadtgeschichte beherbergt. Bereits die Kühle im Inneren der Klostermauern lässt Besucher frösteln. Aber vor allem der Anblick des ehrwürdigen Buches sorge für Gänsehaut beim Betrachter, findet der Historiker und Institutsmitarbeiter Michael Matthäus. In diesen Genuss kommt die Öffentlichkeit höchst selten, zuletzt zu einer Ausstellung vor zwölf Jahren.

Aus konservatorischen Gründen schlummert die Bulle die meiste Zeit in einem Tresor in der Privilegienkammer des Instituts. Zuviel Licht lasse die Schrift auf dem alten Pergament verblassen, erläutert der Historiker. Für die Ausstellung wird Matthäus die Bulle aus dem Tresor holen, in eine gedämpft beleuchtete Vitrine legen und alle zwei Wochen eine Seite umblättern - um die Schrift zu schonen.

Weitere 800 Exponate

Neben der Bulle zeigen die Veranstalter weitere 800 Exponate, die aus europäischen Sammlungen nach Frankfurt geholt wurden, in die Stadt, wo die Kurfürsten die "römischen" Könige und Kaiser wählten und ab dem 16. Jahrhundert auch krönten. Das besondere Konzept der Gemeinschaftsausstellung sieht vor, dass jedes Haus das Thema Wahl und Krönung der Kaiser des Alten Reiches aus einem eigenen Blickwinkel beleuchtet. Während sich im Institut für Stadtgeschichte alles um die Bulle, deren Übersetzung und Rezeptionsgeschichte dreht, geht es im Historischen Museum um das weltliche Zeremoniell.

Dargestellt wird die Dramaturgie der Krönungsfeierlichkeiten und die logistische Herausforderung an die damaligen "Event-Planer", bis zu 40.000 Gäste und Besucher zu versorgen und in das Geschehen einzubeziehen. Das geistliche Zeremoniell ist unter der Überschrift "Heil, Heiligkeit und Weihe der Herrscher" Gegenstand der Schau im Dommuseum. Im Jüdischen Museum wird die von vielen Konflikten geprägte Beziehung der Reichs-Kaiser zu den Frankfurter Juden gezeigt.

Eine Vielzahl von Vorträgen, Führungen, aber auch Krönungskonzerte im Dom, ein Krönungsmahl im Kaisersaal des Römer und ein Volksfest auf dem Römerberg runden das "Kaisermacher"-Programm ab. (Von Alexandra Burck, ddp)

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