Kultur : Ausstellung "Afrika. Kunst und Kultur" in Dahlem

Sam

Der Maler Max Pechstein studierte 1912 im Berliner Völkerkundemuseum afrikanische Masken, Figuren und Königstühle, um sich von der Ursprünglichkeit und dem intensiven Ausdruck inspirieren zu lassen. "Erlegung des Festbratens" nannte er ironisierend eine Bronzetafel aus Kamerun mit Jagdmotiven, die ihn besonders faszinierte. Dieses und 200 weitere Objekte werden ab 24. September in der Ausstellung "Afrika. Kunst und Kultur" in Dahlem zu sehen sein. Ziel sei es, so Kurator Hans-Joachim Koloß, den Blick dafür zu öffnen, dass in Kamerun mühevoll gefertigte Masken eine künstlerische Ausdrucksform eines Volkes und nicht nur Kunsthandwerk sind. Fetische, Elfenbeinarbeiten und Masken werden ausgestellt. Masken haben in Schwarzafrika, wo das Übernatürliche immer noch den Alltag bestimmt, eine besondere Bedeutung: Wahrsager tragen sie während ihrer Trance-Reisen ins Jenseits, um die zerstörende Kraft von Hexen abzuwehren. Und eine der größten Kostbarkeiten des Museums wird gezeigt: Zwei riesige Holzfiguren aus Kamerun aus dem Jahre 1905, die nur bei Königs-Krönungen gezeigt werden. "Als so eine gestohlene Figur in Kamerun in den 60er zurück gegeben wurde, gab es aus Freude eine Sonderbriefmarke", erklärt Koloß. 70 000 Arbeiten aus Afrika umfasst die Sammlung insgesamt. Ein Drittel sind Werke, die nach dem Krieg in Schlesien von der Roten Armee beschlagnahmt wurden und 1992 wieder ins Museum zurück kamen. "Afrika. Kunst und Kultur" wird voraussichtlich bis ins Jahr 2004 gezeigt werden und ist das erste Ergebnis der Museums-Neuorientierung. Gemeinsam mit dem im Juni eröffneten Museum Europäischer Kulturen hofft man nun, Dahlem als dritten Museumsstandort nach der Museumsinsel und dem Kulturforum ins Licht zu rücken.

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