Ausstellung : Alle Kunst kommt aus Berlin

Schon einen Monat vor der Eröffnung ist das Interesse der Kunstwelt an der in Hannover geplanten Ausstellung "Made in Germany" enorm. Eines der Themen ist die Künstler-Metropole Berlin.

Hannover - Parallel zur Kasseler Weltkunstschau documenta organisieren drei Museen in Hannover erstmals eine Ausstellung mit 50 modernen Künstlern aus Deutschland. Die Anfrage nach Führungen sei bereits doppelt so groß wie geplant, berichten die Organisatoren, die inzwischen mit weit mehr als den ursprünglich veranschlagten 40.000 Besuchern rechnen. Einen Schwerpunkt der von Berliner Künstlern dominierten Schau (25. Mai bis 26. August) bilden Skulpturen und Installationen.

"Dreh- und Angelpunkt ist die Frage nach dem Produktionsstandort Deutschland", sagt der Chef des Kunstvereins Hannover, Stephan Berg. "Wie arbeiten internationale und junge deutsche Künstler in Deutschland?" Die ausgewählten Künstler stammen aus der Gruppe der Mitte-30- bis Mitte-40-Jährigen, wobei es sich nicht um Anfänger sondern die Generation handelt, die an der Grenze steht, sich einen Namen zu machen. "Nahezu 70 Prozent der Teilnehmer werden für die Ausstellung neue Arbeiten machen." Neben dem Schwerpunkt mit bildhauerischen Arbeiten seien sämtliche Medien wie Malerei, Video- und Filmarbeiten sowie Objekte vertreten.

Berlin, die Künstler-Metropole

"Es gibt Themen, die alle Künstler interessieren", sagt Ausstellungssprecherin Beate Anspach. Dies sei die Frage der Repräsentation der Künstler in der Gesellschaft und ihre Rolle im Kunstsystem sowie die Beschäftigung mit der eigenen Identität und Herkunft. 21 der Teilnehmer seien internationaler Herkunft, die übrigen in Deutschland geboren. "Zwei Drittel der Künstler leben in Berlin", sagt Anspach, wobei mehr als ein Teil erst während der Vorbereitung der Ausstellung in die Hauptstadt umgezogen ist. "Man sieht, dass es viele nach Berlin zieht, dass Berlin eine Metropole für Künstler geworden ist."

Die Diskussion um den Kunststandort Berlin sei deshalb auch eines der Themen der Ausstellung, sagt Berg. "Was macht Berlin so interessant für internationale Künstler?" Er vermutet neben dem "Mythos Berlin als Schmelztiegel für kulturelle Projekte" auch einen Schneeballeffekt. "Da wo viele sind, will man dabei sein", meint der Direktor der kestnergesellschaft in Hannover, Veit Görner. Die urbane Entwicklung Berlins sei für Künstler sehr aufregend und lasse die Stadt ebenso bedeutend werden New York oder London. Zudem gebe es grenzenlos Atelierraum zu sehr günstigen Preisen. Der Preis für ein Loft entspreche der Quadratmetermiete in London, und selbst in München sei die Miete mitunter um das Dreifache höher als in Berlin.

"Made in Germany" eine der wichtigsten Ausstellungen

Die "Made in Germany"-Macher wollen zwar nicht mit der documenta 12 (16. Juni bis 23. September) konkurrieren, die zeitliche Nähe zu der Weltkunstschau in Kassel, der Biennale in Venedig und der "Skulptur Projekte Münster" sei allerdings bewusst gewählt und helfe der Ausstellung in Hannover auch, sagt Berg. Die Fachpresse habe "Made in Germany" bereits als eine der wichtigsten Ausstellungen des Jahres eingeordnet. "Galeristen und Künstler sprechen einen darauf an." Ähnlich wie die Kasseler documenta wolle die Ausstellung in Hannover das Kunstgeschehen "nicht vom Zentrum des Wirbelsturms in Berlin", sondern von einer gewissen Distanz aus betrachten.

Die endgültige Künstlerliste der "Made in Germany"-Teilnehmer liegt inzwischen vor, was die Künstler präsentieren, teilten die Museen noch nicht mit. Eine auffällige Installation habe der Brite Jonathan Monk geplant, sagt Berg. Er wolle einen alten Golf komplett mit Spiegelfolie überziehen und somit auf den Titel der Ausstellung eingehen. An der Schau beteiligt sind neben dem Kunstverein und der kestnergesellschaft auch das Sprengel Museum. (tso/dpa)

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