Ausstellung : Gold der Steppe im Pergamonmuseum

Wo Virchow grub: Das Pergamonmuseum zeigt Schätze aus dem Kaukasus - und macht für diese Ausstellung einen mutigen Schritt.

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Zaumzeug. Der Schnalle verdankt die Schau ihren Titel "Das silberne Pferd".
Zaumzeug. Der Schnalle verdankt die Schau ihren Titel "Das silberne Pferd".Foto: Plamp

Rudolf Virchow kennt man in Berlin als Mediziner an der Charité und Namensgeber eines Krankenhauses. Weniger geläufig ist jedoch, dass er sich 1881 auf den beschwerlichen Weg von Berlin nach Tiflis machte, 4000 Kilometer mit der Eisenbahn und auf dem Pferd. Denn Virchow war nicht nur Arzt, sondern auch Anthropologe und Archäologe. Er folgte einem Ruf, den damals, Ende des 19. Jahrhunderts, viele deutsche Gelehrte und Hobbyforscher vernahmen: Auf nach Südrussland, in das Gebirge des Kaukasus und die Steppenlandschaft am Schwarzen Meer, wo man auf den Feldern der Bauern Grabbeigaben mit tausendjähriger Geschichte finden konnte.

Virchow stieß auf die früheisenzeitliche Koban-Kultur. Seine Funde, die er bei Ausgrabungen auf einem Friedhof machte, überließ er dem Königlichen Völkerkundemuseum, dem späteren Museum für Vor- und Frühgeschichte. Dank Virchow besaß es eine der größten Kaukasus-Sammlungen außerhalb Russlands.

Diese archäologischen Schätze, Diademe aus Gold, Spiegel aus Bronze, Perlengeschmeide und Schmuckschließen, zeigt nun das Pergamonmuseum in seiner Ausstellung „Das Silberne Pferd“. Im Vordergrund stehen nicht nur die kunstvoll gefertigten Zeugnisse der Skythen, Sarmaten und Goten vom 10. Jahrhundert v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n. Chr., sondern auch Virchow selbst, seine deutschen und polnischen Zeitgenossen. Bei den Landesnachbarn stieß die einst an Edelmetallen so reiche Region ebenfalls auf Interesse.

Das Pergamonmuseum macht für diese Ausstellung einen mutigen Schritt, wohlwissend, dass dieses Nischenthema über ein recht unbekanntes Kapitel europäischer Forschungsgeschichte nicht die Massen anzieht: Studenten der Ausstellungsarchitektur an der FH Düsseldorf haben die Schau entworfen und einen fiktiven Forscher ersonnen, der sich mit den Besuchern auf die Reise begibt. Die Erklärungstexte an den Wänden sind in Ichform geschrieben. Das liest sich flotter als mancher Sachtext. Das Publikum wird von einer mit lässiger Hand gezeichneten Kulissenherrschaft zur nächsten geführt, von einem Volk zum nächsten. Nur wenige Exponate stehen in den Vitrinen, sie erhalten konzentrierte Aufmerksamkeit.

Titelgebend ist eine silberne Phaleron, eine etwa handtellergroße Zaumzeugschnalle mit Pferdekopf. Sie war eine Schenkung des Barons Johannes von Diethardt, eines leidenschaftlichen Sammlers. In den Archiven der Berliner Museen wird er nur als „ungenannter Gönner“ geführt. Damals zog er die Anonymität vor. Jetzt wird er geehrt.

Pergamonmuseum, Museumsinsel, bis 13. März 2011; Mo–So 10–18 Uhr, Do 10–22 Uhr

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