Ausstellung im C/O Berlin : Machtgier kennt keine Grenzen

Packende Eindrücke: Eine Videoinstallation bei C/O Berlin beleuchtet den afghanischen Heroinhandel und zeigt die Facetten des globalen Drogenhandels.

Julius Heinrichs
Wer kriegt wie viel? Das Video zeigt unter anderem zwei Ukrainerinnen im Streit um die Heroinmenge, die ihnen zusteht.
Wer kriegt wie viel? Das Video zeigt unter anderem zwei Ukrainerinnen im Streit um die Heroinmenge, die ihnen zusteht.Foto: Robert Knoth und Antoinette de Jong

Mit Reportagen kennt Antoinette de Jong sich aus. Die Niederländerin ist Fotografin, Autorin und Rundfunkjournalistin, arbeitete in Somalia, Irak und Jugoslawien. Zusammen mit Robert Knoth schuf sie nun ihre wohl größte Arbeit, die Ausstellung „Poppy. Trails of Afghan Heroin“. Bei dieser Videoinstallation spannen vier Projektoren gleichzeitig vier Bildflächen auf, die sich leicht überlappen. Mal zeigen diese ein einziges Bild, mal verschiedene, mal überlagerte. Mal laufen die Bilder synchron, mal versetzt. Mal zeigen sie Videos, mal Fotos. Dazu gibt es Informationsschnipsel und Audiomaterial.

Thematisiert wird die Verbreitung afghanischen Heroins im Laufe der Zeit, erzählt mit und anhand von Dealern, Gefangenen, Prostituierten, Süchtigen, Grenzsoldaten und Polizisten. De Jong und Knoth geht es um das Drumherum. 50 Milliarden Dollar bringt afghanisches Heroin jährlich ein, 15 Millionen Menschen konsumieren es, jährlich sterben geschätzt 100 000 daran. „Das Heroin war für uns ein Ansatzpunkt, um in das Thema Globalisierung einzusteigen und auf die düsteren Seiten dieses Phänomens zu schauen“, sagt de Jong.

Fesselnde Bilder von Verletzten, Abhängigen und Waffen

Um das zu leisten, springt die Installation von Land zu Land, von Konflikt zu Konflikt und von Protagonist zu Protagonist. Die Zusammenschau ist unübersichtlich und nicht ganzheitlich verständlich. So wie die Realität: Entlang der Heroinhandelsroute herrschen Chaos, Korruption und Gewalt. Das wird deutlich. Und darauf kommt es an.

Die meisten der Ausstellungsbesucher verweilen die vollen 45 Minuten vor der Installation. Ungewöhnlich für Werke dieser Art. Aber die Bilder sind so stark, die vermittelten Eindrücke so fesselnd, dass das Konzept funktioniert. Da sind Verletzte; ein Abhängiger, der in quälenden Sekunden nach vorne und hinten pendelt, und immer wieder Waffen. Aufnahmen aus Striplokalen in der Ukraine, Panzer an der afghanischen Grenze, Reden von Politikern der Sowjetunion.

Der Ton ist nicht immer verständlich, die gezeigten Informationen zu viele, die Namen zu lang und zu fremd, um sich im Langzeitgedächtnis einzunisten.

Eine Reportage im Maximalformat

Schlimm ist das nicht, denn die Installation schafft es, ihren Besuchern in einer Dreiviertelstunde ein Thema nahezubringen, an denen gewöhnliche Reportagen regelmäßig scheitern. Sie zeigt etliche Facetten des globalen Drogenhandels wie Korruption, Armut, Abhängigkeit, Missbrauch, Aids und Machtgier, die sich unvermeidbar in die Köpfe der Betrachter einbrennen. Journalistische Arbeit, technisch aufwendig zu einer multimedialen Reportage im Maximalformat erhoben.

Jene, die das Thema packt, können sich in der zugehörigen Publikation weiter informieren, in der Ausstellung ist dies nur mit einer Landkarte und einem Zeitstrahl möglich. Die Publikation nimmt die Bilder der Installation auf – und erst mit ihr ergeben viele der gezeigten Zusammenhänge einen nachvollziehbaren Sinn. Nur ist dies, wie schon gesagt, gar nicht unbedingt nötig.

C/O Berlin, bis 25. September, Amerika-Haus, Hardenbergstraße 22–24, täglich 11 – 20 Uhr

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