Ausstellung im Centrum Judaicum : Architekt des Amüsements

Das Centrum Judaicum zeigt das Werk des fast vergessenen Filmarchitekten Heinz Fenchel.

Johannes Metternich
Bunt und schrill: Bühnenbild von Heinz Fenchel und seinem Kollegen Jack Rotmil zu "Die vom Rummelplatz", 1930.
Bunt und schrill: Bühnenbild von Heinz Fenchel und seinem Kollegen Jack Rotmil zu "Die vom Rummelplatz", 1930.Foto: Privat

Die Lust an der Unterhaltung hatte Heinz Fenchel trotz allem nie verloren. Anlass hätte der jüdische Architekt, 1906 in Berlin geboren, zu Genüge gehabt: Fenchel machte in der aufblühenden Filmindustrie der Weimarer Republik als Filmarchitekt Karriere und schuf Szenenbilder für Komödien und Krimis, bis ihn die Nazis 1933 mit einem Berufsverbot belegten. 1936 zur Ausreise nach Palästina gezwungen, arbeitete Fenchel nie wieder für den Film – und erfand sich dort stattdessen als Innenarchitekt von Cafés neu, der nicht mehr das fiktive Spektakel, sondern das richtige Leben in Szene setzte. Im Centrum Judaicum führte nun Kuratorin Chana Schütz anhand von Zeichnungen, Fotografien und Collagen aus Fenchels Nachlass durch ein Werk mit allerlei wundersamen Windungen.

Ein Werk, das im Berlin der wilden Zwanziger beim Film beginnt. „Die vom Rummelplatz“ oder „Kriminalreporter Holm“ heißen zwei der insgesamt 45 Filmproduktionen, die Fenchel mit seinen Bauten austattete – ihm ging es nicht um schwere Kost, sondern um Amüsement. Die Exponate zeigen Entwürfe ausladender, mit historischer Ornamentik versehener Theaterfoyers genauso wie Caféinterieurs der Neuen Sachlichkeit – und oft auch eklektische Kombinationen aus beiden Stilen. Auf förmliche Klarheit kam es Fenchel weniger an als auf die möglichst stimmungsvolle Inszenierung öffentlichen Lebens in seinen Filmen.

1937 kam Fenchel schließlich, nach kurzem Aufenthalt in Prag, für immer nach Palästina, das keine nennenswerte Filmindustrie besaß, und ließ andere verlockende Destinationen wie Hollywood links liegen. Die Entscheidung war wohl eine politische: Fenchel bekannte sich zum Zionismus und berichtete nach seiner Ankunft in Tel Aviv freudig: „Es ist wohl das Schönste und Beste hier im Lande; ein Judenproblem wie in Europa gibt es nicht!“ Jedoch vermisste er eine moderne Cafékultur – und so eröffnete 1938 mit dem Café Pilz das erste einer Reihe moderner Kaffeehäuser in Tel Aviv, die eine bislang unbekannte Form gediegener öffentlicher Begegnungskultur etablierten. Die Cafés verschwanden durch Tel Avivs städtebauliche Umwälzungen der späteren Jahre zwar wieder. Geblieben sind dafür größere Projekte wie etwa das in kühler Sachlichkeit gehaltene „Dan Tel Aviv Hotel“, das Fenchel 1953 entwarf.

Mit Berlin hatte Fenchel nach seiner Emigration übrigens abgeschlossen: Bis zu seinem Tod 1988 reiste er nie wieder in seine Heimatstadt. Ein Glück, dass diese Ausstellung ihn nicht vollends vergessen lässt.
Bis 10. April. So–Do 10-18, Fr 10-15 Uhr.

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