Ausstellung in der Galerie Deschler : Haltlosigkeit ist eine existentielle Erfahrung

Eine Ausstellung in der Galerie Deschler zeigt unter anderem einen Zyklus von Stefan Roloffs Zeichnungen - und das Modell eines Monuments.

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Raus aus der Stadt, dem engen West-Berlin entkommen. Das war die Idee des damals 16-jährigen Stefan Roloff. Seine Irrfahrt durch Francos Spanien, der sich existenzielle Erfahrungen als Migrant in Mexiko und in den USA anschlossen, prägen den Künstler auch Jahrzehnte später noch. Wie Roloff mit dieser Geschichte umgeht, welchen Einfluss sie auf seine künstlerische Arbeit hat, kann man aktuell in der Galerie Deschler sehen. „Auf Rosen gebettet“ heißt die Ausstellung, in deren Zentrum ein Zyklus von Zeichnungen steht. Zusammen mit dem Modell eines Monuments.

„Arche O-Platz“ soll bald auf dem Kreuzberger Oranienplatz mit seiner unrühmlichen Geschichte campierender wie protestierender Flüchtlinge stehen. In der abstrakten Form eines Schiffes, das an den ursprünglichen Begriff von Arche erinnert: Im Altgriechischen war es der „Ursprung von Aktion“. „Das Monument wird Raum für die Selbstorganisation und Integration von Migranten geben, frei von religiösen oder politischen Einflüssen“, heißt es von Seiten der Galerie. Das Projekt wird von der Akademie der Künste unterstützt, die Realisierung ist für 2017 geplant.

Doch es gibt auch andere künstlerische Kommentare in der Schau, die sich mit dem Thema der Haltlosigkeit als existentielle Erfahrung verbinden. Deborah Sengls „Home Story“ zeigt die soziale Kluft in der – von der Künstlerin gewohnt verfremdeten – Gestalt eines Obdachlosen, dessen Körper sich unterm Schlafsack abzeichnet. Jörn Grothkopp denkt über das Nomadische nach, während die japanische Künstlerin Yukiko Terada mit vergilbten Blättern eine kleine Geschichte aus Fukushima erzählt, die zugleich ein Licht auf das große, immerwährende Drama der Instabilitäten wirft. Es kann jeden an einem Punkt seines Lebens treffen.

Galerie Deschler, Auguststr. 61; bis 3.9., Di–Sa 11–18 Uhr. Zum Abschluss findet am 5.9. um 19 Uhr ein Gespräch zwischen Stefan Roloff und Christian Kneisel statt. Die Galerie bittet um Anmeldung.

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