Ausstellung in Venedig: der Buchdrucker Aldo Manuzio : Ganz groß im Kleinformat

Der Gelehrte Aldo Manuzio wurde als früher Buchdrucker weltberühmt. Nun widmet die Accademia in Venedig seinem Werk eine Ausstellung.

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Manuzios Markenzeichen: der Anker mit Delfin.
Manuzios Markenzeichen: der Anker mit Delfin.Foto: Bibliothèque Nationale, Tours

Was es einmal bedeutete, Geschriebenes zu vervielfältigen und als Buch unter die Leute zu bringen, lässt sich beim Besuch der Ausstellung „Aldo Manuzio. Die Renaissance in Venedig“ in der dortigen Accademia erahnen. Diese Ausstellung, gewidmet dem als Buchdrucker zu Weltruhm gelangten Humanisten und Gelehrten Aldo Manuzio, wirft zugleich ein Schlaglicht auf jenen epochalen Umbruch, den schon seine Zeitgenossen als rinascimento, als Wiedergeburt begriffen. Zugleich war es eine Neugeburt, eben der Beginn der Moderne.

Keine Erfindung hat sie stärker geprägt als die des Buchdrucks. Als Aldo Manuzio 1490 wohl 40-jährig ins kosmopolitische Venedig kam, steckte der Buchdruck noch in den Anfängen. In Venedig hielt er 1469 Einzug. Manuzio hatte in Rom Latein und in Ferrara Griechisch studiert und in der kleinen Residenzstadt Carpi als Fürstenerzieher gelebt, ehe er nach Venedig ging – augenscheinlich wegen des intellektuellen Klimas der Stadt, in der wohlhabende Bürger ihren Neigungen zu klassisch-antiker Literatur frönten und vermögend genug waren, ein reiches kulturelles Leben zu finanzieren.

Seine wichtigste Erfindung: eine Frühform des Taschenbuchs

Manuzio verband sich mit einem ausgewiesenen Drucker, ein reicher Gönner trat als Teilhaber dem Unternehmen bei. Ziel war die Herausgabe klassischer Texte, vor allem aus dem Griechischen. Unter den ersten Büchern Manuzios war eine von ihm selbst verfasste Grammatik der griechischen Sprache.

Manuzios vielleicht folgenreichster Beitrag besteht in der Erfindung der von den Zeitgenossen „Aldinen“ genannten kleinformatigen Bücher. Waren wissenschaftliche wie auch religiöse Werke bis dahin ganz überwiegend im Folio-Format geschrieben worden, war nun das Taschenbuch erfunden. Immer noch allein für eine wohlhabende Klientel erschwinglich, avancierte es zum Statussymbol. Wer solche Taschenbücher besaß, konnte sich überall der Muße hingeben, um die Komödien des Terenz oder die Eklogen des Vergil zu lesen. Eine ganze Galerie von Porträtgemälden von Meistern wie Lorenzo Lotto oder Palma Vecchio ist in der Ausstellung zu bewundern, bei denen die dargestellten Edelleute ein Büchlein in der Hand halten, gern mit einem Finger zwischen den Seiten, der auf intensive Lektüre verweist.

Eine besondere Beziehung verband Manuzio mit dem weitgereisten Humanisten Pietro Bembo, dessen Petrarca-Ausgabe er im kleinen Format lateinischer Autoren druckte und so erstmals einen Text italienischer Sprache in den Rang eines „Klassikers“ erhob. Später dann war Bembos eigene Dialogdichtung „Gli Asolani“ ein Meilenstein in der Etablierung der italienischen Schriftsprache. Bembo war es, der Manuzio die römische Münze verehrte, auf deren Rückseite das Symbol des um einen Anker sich windenden Delfins prangt. Manuzio verwendete es fortan als sein Druckerzeichen, als Bild für das von ihm adaptierte antike Motto festina lente, „eile mit Weile“.

Ein Höhepunkt der Renaissance-Druckkunst

Es ist ein geistiger Kosmos, den die Ausstellung (bis 19. Juni) ausleuchtet. Nie wird man in Manuzios Büchern mit ihrem wundervollen Schriftbild aus eigens geschnittenen Typen im nach dem Goldenen Schnitt berechneten Satzspiegel blättern können, wie sie da in den Vitrinen liegen. Ein einziges, das typografisch bedeutendste Buch Manuzios überhaupt, ist darum Seite für Seite abgezogen worden und fortlaufend auf Stellwände gepinnt: Die „Hypnerotomachia Poliphili“, der „Traumliebeskampf des Poliphilus“, eine komplizierte mythologische Geschichte. Das Buch, 1499 aufgelegt, gilt als Höhepunkt der Renaissance-Druckkunst. Erstmals gibt Manuzio dem Text grafische Form und verschmilzt ihn mit 172 Illustrationen in Holzschnitt zu einer schriftbildlichen Einheit.

Unter den rund 100 Büchern, die Manuzio zwischen 1494 und seinem Tod im Jahr 1515 druckte, steht gleich am Anfang eine Ausgabe der Werke Aristoteles', 1495–98 in fünf Bänden auf insgesamt 1792 Seiten im großen Folio-Format. Das ist mehr als das, was bis dahin in Italien insgesamt an griechischen Texten gedruckt worden war. Nichts verdeutlicht den Anspruch besser, mit dem Aldo Manuzio in das kulturelle Leben seiner Zeit eintrat. Er wurde ein Mitschöpfer der Renaissance.

Venedig, Accademia, bis 19. Juni. Katalog bei Marsilio, 376 S., 39 €. – Infos auf  www.mostraaldomanuzio.it/exhibition

 

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