Auszeichnung : Am Anfang war die Wette

Karlheinz Böhm erhielt die Berlinale-Kamera – für sein Wirken im Film und sein humanitäres Engagement.

Andreas Conrad
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Preiswürdig. Karlheinz Böhm erhielt die Berlinale-Kamera. -Foto: dpa

Welch ein glückliches Zusammentreffen! Am Dienstag war Yvonne Catterfeld am Rande der Berlinale als die neue Romy Schneider präsentiert worden, deren Leben sie in einer Filmbiografie darstellen soll. Am Mittwochabend nun wurde der Mann mit einer Berlinale-Kamera geehrt, der in den Anfängen von Romys Karriere als Filmpartner an ihrer Seite gestanden hatte: Karlheinz Böhm, der in der „Sissi“-Trilogie der fünfziger Jahre Kaiser Franz-Josef I. war.

Der Schauspieler erhielt die Auszeichnung „für sein Wirken im deutschen Film und für sein humanitäres Engagement als Gründer der Organisation ,Menschen für Menschen‘“, wie die Berlinale-Leitung mitteilte. Als Rahmen für die Ehrung hatte man die Vorführung von Michael Powells Film „Peeping Tom“ im Filmpalast gewählt, Böhm spielte darin 1960 einen Serienmörder. Der Film zählt heute zu den Meisterwerken des Regisseurs wie des Schauspielers, stieß damals aber wegen der Darstellung der Gewalt national wie international auf breite Ablehnung und bedeutete für beide zunächst einen Karriereknick.

Der 79-jährige Böhm war mit seiner aus Äthiopien stammenden Frau Almaz in das ausverkaufte Kino am Kurfürstendamm gekommen, empfangen von Festivalchef Dieter Kosslick und dem TV-Showmaster Frank Elstner. In dessen damaliger Sendung „Wetten, dass…?“ am 16. Mai 1981 entstand das Projekt „Menschen für Menschen“, das seither Böhms Leben bestimmt. Durch einen Besuch in Afrika aufgerüttelt, hatte er sich für Unterstützung der dort notleidenden Menschen eingesetzt, war in die Sendung eingeladen worden und hatte gewettet, nicht einmal jeder dritte Zuschauer würde eine Mark für die Sahelzone spenden. Beim Verlieren der Wette wollte er selbst nach Afrika gehen und helfen, was er dann auch tat, obwohl er gewonnen hatte.

Böhms Arbeit für Afrika stand auch im Mittelpunkt von Elstners Laudatio. Unter all den Wetten, die in seiner Sendung abgeschlossen wurden, sei dies die erste sinnvolle gewesen. Immer wenn er Böhms Arbeit beschrieben und dazu Zahlen genannt habe, konnte Böhm ihm hinterher neuere, noch höhere Zahlen nennen, Hinweis auf das Voranschreiten des Afrika-Projekts. Er hoffe, dass Böhm noch weiterhin genügend „Wut im Bauch“ habe und Willen zum Engagement, um weiterzumachen. Böhm nichte dazu eifrig, die Wut hat er offenbar.

Der so Gepriesene bedankte sich für die erfahrene Ehrung, kam auch auf seine frühen Filme mit Romy Schneider zu sprechen. Gerade die „Sissi“-Filme seien derzeit in China der absolute Schlager, er selbst besitze eine synchronisierte Kopie. Man habe eben auch im Fernen Osten erkannt, dass es hervorragende Unterhaltungsfilme seien. Heute um 21.30 Uhr, gibt es eine weitere Berlinale-Kamera: Otto Sander wird damit für seine Verdienste um den Film geehrt, wiederum im Filmpalast, im Rahmen der Vorführung seines Films „Z.B… Otto Spalt“ von René Perraudin. Die Laudatio hält Bruno Ganz.

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