Kultur : Babel & Co: Bruno Preisendörfers kleine Welt der Tiere

Kuckuck, Kuckuck, rufts aus der Uhr. Dann öffnet sich ein Türchen und ein Männchen auf einem Brettchen schwenkt heraus. Und das zu jeder vollen Stunde, den ganzen Tag, die ganze Woche, das ganze Jahr, das ganze Leben lang. Jetzt brauchen Sie sich nur noch vorzustellen, dass die Kuckucksuhr die Perspektive ist, aus der eine ostdeutsche Familiengeschichte erzählt wird, und Sie sind bei dem Roman der amerikanischen Autorin Jacalyn Carley. Er heißt: "Was sagt das linke Knie zum rechten?" Wie finden Sie das? Raymond Federman findet das so: "Jacalyn Carley hat ein bewegendes und wunderbares Buch geschrieben." Jede Saison gibt es mindestens 123 "bewegende" Bücher. Weiter: "Ihr Trick, eine tragikomische Familiengeschichte aus der Sicht einer Kuckucksuhr zu schreiben, ist genial." Raffiniert, würde ich sagen; Tricks sind allenfalls raffiniert. Federman die letzte: "Ein verblüffender Roman." Am Samstag um 22 Uhr 30 können Sie sich im Roten Salon der Volksbühne von dem verblüffen lassen, was zwischen Knien so geredet wird.

Ameisen sind starke Tierchen. Vielleicht gibt es deshalb für sie keinen Diminutiv. Keinen was? Nein, nein, hier muss niemand zum Lexikon laufen, das ist schon da: "Diminutiv, lat., Verkleinerungsform eines Substantivs, in der dt. Hochsprache gebildet durch die Suffixe -chen und -lein, z.B. Öfchen, Bächlein." Genau: chen und lein. Ameiselein. Klingt blöd. Bienchen hört sich da schon viel besser an, obwohl die auch nicht ohne sind, blütenstaubige Schwertransporter mit Befruchtungsauftrag.

Ich will aber zuerst für die Ameise die Trommel schlagen: Für die "Ameise als Tramp", wie das unterhaltsam lehrreiche Buch von Bernhard Kegel heißt, der daraus am Freitag um 20 Uhr im Kulturhaus Mitte (Auguststr.21) liest. Für die Trommel, beziehungsweise Percussion sorgt dann übrigens Ulrich Moritz. Der Abend bietet eine "literarisch-musikalische Odyssee" unter dem Titel: "Reise nach Transgenien". Deshalb kommt auch "Wenzels Pilz", Kegels erster Roman, zum Zuge. Summ, summ, summ - auch die fliegenden Schwertransporter - Bienchen summ herum, sind noch anzukündigen.

Kuckuck, Kuckuck, summ, summ, summ, wohl verrückt geworden? Aber ich doch nicht, die Bienen. "Die Bienen sind verrückt geworden" ist der Titel der "Reden und Aufsätze über unsere wahnsinnige Welt" von Johannes Mario Simmel. Am Sonntag um 11 Uhr liest daraus im Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße die Schauspielerin Iris Berben, moderiert von Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur dieser Zeitung.

Heute will ich einmal versuchen, das literarische Quartett zu linken, das literarische Quartett der Klassik, meine ich, die Goethe-Schiller-Herder-Wieland-Connection (ja, Sprachpfleger Werthebach, "Connection" ist ein artfremdes Wort, "Klassik" auch). Aber wir können es gern auch mal reinrassig versuchen: Wir rufen also mit der (deutschen) "Maus" - für mehr ist in der Kolumne, Säule, ist in dieser Säule kein Platz mehr. Fortsetzung folgt.

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