• Balkan-Krise: Friedensengel mit lahmen Flügeln - Der Albanerführer Ibrahim Rugova wagt derzeit keine klaren Worte

Kultur : Balkan-Krise: Friedensengel mit lahmen Flügeln - Der Albanerführer Ibrahim Rugova wagt derzeit keine klaren Worte

Claudia Lepping

So leicht lässt sich Ibrahim Rugova nicht aus der Ruhe bringen, er, der bislang so gern den Pazifisten und politischen Philosophen gab - den europäischen Gandhi, wie ihn seine Anhänger nennen. Aber wenn es um das Ansehen der Kosovo-Albaner (Kosovaren) in Europa geht, da fixiert deren charismatischer Führer seine Gegenüber schon mal mit finsterem Gesicht und vorgeschobenem Unterkiefer, als Zweifel an der Friedfertigkeit seiner Landsleute aufkommen.

Ibrahim Rugova, der Vorsitzende der größten Partei des Kosovo, der Demokratischen Liga LDK, ist in Berlin, um den Vertrauensverlust der Kosovaren aufzuhalten. Eine verdienstvolle Aufgabe angesichts der zunehmenden Gewalt im Grenzgebiet zwischen Mazedonien und dem Kosovo, denn die internationale Gemeinschaft hat sich mit dem Stabilitätspakt bereit erklärt, viel Geld für Demokratisierung und friedliche Koexistenz in Südosteuropa auszugeben.

Und so ist Rugova vom politischen Philosophen zum Pragmatiker geworden. Bemüht erklärt der 56-Jährige, dass nicht etwa die Albaner, sondern die junge mazedonische Regierung für die Provokationen in der Region verantwortlich sei. "Die Regierung in Skopje hat die Probleme der albanischstämmigen Bevölkerung jahrelang nicht angehört. Die Hoffnung der Albaner wurde zerstört. Wenn das so weitergeht, bekommen die Radikalen Oberwasser", unkt er und hebt bedeutungsschwanger die Schultern. Soll sagen, er kann da nicht viel machen. Doch, er kann. Das Netz der politischen Albaner-Führer im Kosovo, in Mazedonien, Albanien und Griechenland ist eng geknüpft und ihre Vision eines Großalbaniens so lebendig wie lange nicht. Aber Rugova weiß, dass er sich in seiner Heimat ins Abseits stellt, sollte er sich von den Unabhängigkeitsbemühungen der mazedonischen Albaner distanzieren, nur um dem Westen zu gefallen.

So riskiert er es nicht einmal hier in Berlin, sich ausdrücklich und unmissverständlich von Kampfhandlungen gegen mazedonische Grenzpolizisten zu distanzieren. Nein, Mazedonien provoziere die Gewalt, weil es die Albaner nicht integriere, ihre Gleichberechtigung in Verwaltung und Bildung behindere und Albanisch als zweite Amtssprache untersage. Dass Bodo Hombach als EU-Koordinator des Stabilitätspakts davor warnt, Kosovo könne Aufbauhilfen verlieren, solange die Gewalt der Albaner in der Region anhält, findet Rugova ungerecht: "Uns können sie nicht dafür bestrafen, was sich in Mazedonien abspielt." Aber dann räumt er in einem Nebensatz doch noch ein, "dass es Provokationen auf beiden Seiten gegeben hat."

Mit 60 Prozent war Rugovas LDK bei den Kommunalwahlen im Oktober stärkste Partei im Kosovo geworden - dank nationalistischer Programmatik, die in der angestrebten Unabhängigkeit von Serbien gipfelt. Für die Rolle des glaubwürdigen Friedensengels fällt der Parteichef für die internationale Gemeinschaft im Mazedonien-Konflikt aus.

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