Barenboim-Said-Akademie : Berlins neuer Pierre-Boulez-Konzertsaal

Zusammen mit Architektenstar Frank Gehry und Akustik-Guru Yasuhisa Toyota steigert Daniel Barenboim die Vorfreude auf den neuen Pierre Boulez Saal.

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Intendant Ole Baekhoj, Daniel Barenboim, Architekt Frank Gehry sowie der japanische Akustiker Yasuhisa Toyota.
Intendant Ole Baekhoj, Daniel Barenboim, Architekt Frank Gehry sowie der japanische Akustiker Yasuhisa Toyota.Foto: Soeren Stache/dpa

Drei große alte Männer sitzen einträchtig nebeneinander und blinzeln ins grelle Scheinwerferlicht. Jeder von ihnen ist ein Weltstar auf seinem Gebiet: Seit mehr als 50 Jahren tritt Daniel Barenboim in den Kulturmetropolen rund um den Globus auf, seit 1992 ist er Chef der Berliner Staatsoper. Neben ihm thront der 87-jährige Frank Gehry, Erbauer von Architektur-Ikonen wie dem Guggenheim-Museum in Bilbao oder der Fondation Louis Vuitton in Paris. Dritter im Bunde ist Yasuhisa Toyota, der gefragteste Akustiker für Konzertsaal-Neubauten überhaupt. Eigentlich soll an diesem Montagvormittag das Programm des neuen Konzertsaals der Barenboim-Said-Akademie verkündet werden – doch das Star-Trio hat so viele Anekdoten zu erzählen, dass der offizielle Anlass darüber etwas in den Hintergrund gerät.

Da ist zum Beispiel die Sache mit den Kringeln. „Bei einem Gespräch mit Barenboim habe ich, wohl halb unbewusst, zwei ineinander verschlungene Ovale auf einen Zettel gezeichnet“, sagt Gehry. „Als ich dann meinen Entwurf für den Saal vorstellte, der eine ganz konventionelle Schuhschachtel-Form hatte, fragte er erstaunt: Wo sind denn die Kreise geblieben?“ Und so hat der Architekt sie wieder eingefügt: Wie zwei Planetenringe schweben sie nun im Raum, nur an wenigen Punkten in der Wand verankert, und verleihen der Konzerthalle im ehemaligen Magazingebäude der Staatsoper eine faszinierende Leichtigkeit.

Dieser Saal soll keine Konzertgarage sein

Multifunktional wird sich der Saal nutzen lassen, diverse Varianten der Arena- oder Amphitheaterform sind denkbar, um wirklich jede Art von Musik hier aufführen zu können. Das hat mit dem Mann zu tun, dessen Namen der Saal tragen wird. Mit Pierre Boulez, noch so einem ganz Großen, dem Anfang 2016 verstorbenen Komponisten und Dirigenten. „Boulez hat immer gesagt: Ich hasse Konzertsäle, die wie Garagen sind“, berichtet Barenboim, „wo abends einfach ein Orchester reingestellt wird.“ Ungewohnte Aufführungsformen sollen darum ausprobiert werden, verspricht Intendant Ole Baekhoj. Außerdem will er neue Zielgruppen gewinnen. „Musik für das denkende Ohr“ lautet das Motto der Eröffnungssaison, die am 4. März 2017 startet.

Viele Künstlerfreunde hat Daniel Barenboim eingeladen, den Geiger Pinchas Zukerman und die Pianisten Lang Lang und Andras Schiff, die Mezzosopranistin Magdalena Kozena, die von ihrem Mann Simon Rattle am Klavier begleitet wird, und den Flötisten Emmanuel Pahud, das von Pierre Boulez gegründete Ensemble Intercontemporain, aber auch den Komponisten Jörg Widmann. Barenboim selber er wird mit der Staatskapelle alle Sinfonien von Franz Schubert interpretieren und mit seinem West-Eastern-Diwan-Orchestra Mozart spielen.

Blick in den Pierre Boulez Saal der Barenboim-Said Musikakademie.
Blick in den Pierre Boulez Saal der Barenboim-Said Musikakademie.Foto: Soeren Stache/dpa


Das Ensemble, in dem israelische und arabische Nachwuchsmusiker lernen, einander zuzuhören, war die Keimzelle der Barenboim–Said-Akademie, zu der der Boulez-Saal gehört. Aus dem humanistischen Projekt wird nun ein regulärer Hochschulbetrieb, auf dem neutralen Boden Berlins werden sich die Studierenden aus den verfeindeten Nahost-Staaten begegnen – und natürlich auch regelmäßig ihre musikalischen Fortschritte in Konzerten unter Beweis stellen.

Akustiker sind wie Geigenbauer

Hochspannend sind die Einblicke, die Akustiker Yasuhisa Toyota in seine Arbeit gibt. Was da alles zu bedenken ist: Wie der Schall im Raum zirkulieren muss, damit die Musik einerseits bestmöglich an alle Sitzplätze gelangt, damit aber auch die Künstler sich selber gut hören können. Wie wichtig der Boden der Bühne dafür ist: „Er muss schwingen, wie ein Instrument“, sagt Toyota. Eine Theorie allerdings, wie er dafür beschaffen sein sollte, gibt es nicht. Der Akustiker muss da arbeiten wie ein Geigenbauer – mit Erfahrung und Intuition.

Weil übrigens sowohl Frank Gehry also auch Yasuhisa Toyota aus Freundschaft zu Barenboim kein Honorar für ihre Arbeit verlangt haben, überreicht Intendant Ole Baekhoj am Montag beiden die allerersten ausgedruckten Tickets für das Eröffnungskonzert. Jeder, der sonst noch neugierig ist auf diesen neuen Berliner Musikort, der kann ab sofort ebenfalls welche erwerben.

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