Kultur : Barenboims Ideen: Was der Maestro künftig mit der Oper in Berlin am Hut hat

Frederik Hanssen

Mitte September hat Berlins Kultursenator Christoph Stölzl eine schöne Dienstreise vor. Er fliegt nach Chicago, um dort einen alten Bekannten zu treffen: Daniel Barenboim, den Musikchef der Berliner Staatsoper! Man muss kein Mitglied im "Bund der Steuerzahler" sein, um bei dieser Nachricht aufzuhorchen - hat Barenboim nicht ein gemütliches Dienstzimmer in Berlin? Hat er schon, nur steht sein erster Saison-Auftritt Unter den Linden erst am 26. Oktober an. Also muss sich der Senator über den großen Teich bemühen, wenn er Barenboim Ideen zur Zukunft der Berliner Opernlandschaft kennenlernen will. Mit der Bitte, sich doch darüber einmal Gedanken zu machen, nachdem seinen Kollegen Udo Zimmermann (künftig Deutsche Oper) und Andreas Homoki (künftig Komische Oper) längst ihre Visionen vorgestellt hatten, war Stölzl vor der Sommerpause bei Barenboim vorstellig geworden.

Was sich der Maestro ausdenken wird, weiß noch keiner. Was man von ihm in der Staatsopern-Spielzeit 2000/2001 erwarten darf, ist dagegen bekannt: Zum Beispiel keinen "Ring des Nibelungen". Den dirigiert diesmal Simone Young. "Lohengrin" und "Meistersinger" werden von Sebastian Weigle geleitet, Barenboim selber fühlt sich nur für "Tristan" und den neuen "Holländer" zuständig. Ähnlich sieht es beim Mozart-Da Ponte-Zyklus aus: der Chef leitet drei Aufführungen der neuen "Così", die übrigen Abende sowie die Leitung von "Figaro" und "Don Giovanni" hat er seinem Assistenten Philippe Jordan übertragen. Im Ballettbereich betreut Barenboim die Neuproduktion von "Sacre du printemps" - Grund genug, dasselbe Stück auch aufs Programm eines seiner beiden Sinfoniekonzerte zu setzen. Wer es sich also nicht leisten kann, zum Maestro nach Chicago zu jetten, sollte sich schnell um Karten für einen von Barenboims Staatsopern-Autritte kümmern - es sind nämlich genau 34.

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