Kultur : Begleitung ins Jenseits

ANTJE RÜSTER

Als sich die spanische Krone Ende des 15.Jahrhunderts anschickte, neue Welten zu entdecken, sollte es nicht lange dauern, bis deren eingeborene Kulturen der Zerstörung durch die Konquistadoren anheim fielen.So beendete die Ermordung des Herrschers Atahuapulla 1532 das Reich der Inka in Peru.Mit kaum weniger drakonischen Mitteln war es diesem Stamm vom Hochland der Anden in knapp hundert Jahren gelungen, ein Imperium zu gründen, das sich von Chile bis Kolumbien erstreckte.Anders als die Fremden aus der alten Welt machten sich die Inka dabei jedoch die Errungenschaften der unterworfenen Kulturen zunutze.Während die Geschichte des Inkareiches durch die spanischen Eroberer recht gut überliefert ist, gerieten die Vorläuferkulturen auf dem Gebiet Perus im Laufe der Zeit in Vergessenheit.Erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts einsetzende Forschungen brachten allmählich die Geschichte präkolumbianischer Zeit ans Licht.Archäologische Funde, insbesondere aus Gräberfeldern, belegten die Existenz von Hochkulturen seit etwa 1500 v.Chr.

Zu ihrer Entdeckung lädt eine Verkaufsausstellung der "Kunsthandlung Faethe" in den Räumen des "2.Kunstquartiers" am Gendarmenmarkt ein.Gezeigt werden Keramikgefäße, Textilien, Metallobjekte, Musikinstrumente und Schmuck, die zum Teil einer 1878 in Peru zusammengetragenen Bonner Privatsammlung entstammen.Als Bestandteile des Totenkultes, der allen Kulturen vor der Christianisierung gemeinsam war, wurden sie den mumifizierten Leichnamen für die Reise ins Jenseits beigegeben.

Es ist insbesondere die farbenfrohe Bildwelt auf den zahlreich überkommenen Keramiken und Geweben, die Auskunft über das Weltbild ihrer Schöpfer gibt.So verleihen Tierdarstellungen häufig Götterfiguren ihre Gestalt, wie der Katzendämon, der für die Kultur von Chavín charakteristisch ist.Ab etwa 1500 v.Chr.nachweisbar begründet sie die peruanische Kulturentwicklung.Ihre kunsthandwerklichen Produkte prägten die ab 400 v.Chr.in den Flußtälern der Küstenregionen entstehenden lokalen Kulturen.Ein sogenanntes Steigbügelgefäß (14 000 Mark) um 1000 v.Chr.zeigt eine typische Gefäßform der Chavín, die bis zur spanischen Eroberung alle Kulturen durchläuft.Die derbe Kargheit dieser einfachen Gefäße wird ab 200 v.Chr.von der naturalistischen figürlichen Keramik der Moche abgelöst.Fruchtbarkeitskulte sind in allen präkolumbianischen Kulturen prominent, hat doch die Kultivierung der meisten Nutzpflanzen hier ihren Ursprung.Die Keramiker der Nazcakultur (100-800 n.Chr., Südküste) nahmen sich diese Tradition bei einer Schale mit Fischen (950 Mark) um 300 n.Chr.zum Thema.Mit der Kultur von Tiahuanaco(500-1000 n.Chr.) beginnt eine Zeit der Ausbreitung.Den Stil des kultischen Zentrums am Titicacasee an der Grenze zu Bolivien, zeigen Funde der südlichen und nördlichen Küstenregion und des Hochlandes.Dicht gewebte Stoffe mit geometrisierenden Darstellungen sind charakteristisch für diese Kultur.Filigrane Tüllgewebe, die den Toten um den Kopf gewunden wurden, stammen hingegen aus Chancay (1220-1450 n.Chr.) an der mittleren Küste.Rapportartig überziehen sie Darstellungen von Menschen oder den für die Küstenkulturen üblichen Pelikanen.

Kunstquartier, Markgrafenstraße 35, bis 15.Mai, Montag bis Freitag 11-19 Uhr, Sonnabend 11-16 Uhr.

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